Artemis und der Artemis Tempel

 

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    [Artemision]   [Haus der Mutter Maria]



Frank Roesler Ruhr Uni Bochum

Bereits 1398 v. Chr. wurde an der Stelle des späteren Artemis Tempels eine viersäulige Behausung für ein angeblich vom Himmel gefallenes weibliches Götterbild geschaffen. Seit etwa 560 / 550 v. Chr. wurde das Haus nach wiederholter Zerstörung und mehrmaliger Vergrößerung zu einem Riesentempel gesteigert. Nach Beendigung der Perserkriege wurde der Tempel um 440 v. Chr. durch die Ephesier Demetrios und Paionios völlig fertiggestellt, so daß insgesamt 120 Jahre an ihm gearbeitet wurde. Im Jahr 356 v. Chr. wurde die Prunkstätte durch Herostratos, einem unbedeutenden Ephesier mit dem krankhaften Ehrgeiz Berühmtheit zu erfahren, völlig niedergebrannt. Immerhin konnte das altheilige Bild der Göttin Artemis gerettet werden. Das gab den Ephesiern offensichtlich den Auftrieb, dem himmlischen Götterbild nun erst recht ein neues Tempelhaus zu errichten. Der neue Tempel wurde viel prächtiger als sein Vorgänger und später unter die Sieben Weltwunder eingereiht.
Der ephesische Architekt Cheirokrates nahm sich der Planung, der Organistion und des Wiederaufbaues praktisch an. Die in sich zusammengestürzte Schuttmasse wurde als neue Tempelbasis verwendet. Der so teilweise aufgefüllte und abgeglichene Massivkern wurde durch eine massive Mantelkonstruktion mit Marmorverbrämung zu einem Podium mit einer Fläche von 125,67 x 65,05 m² und 2 m Höhe ausgebaut. Auf der neuen Fußbodenfläche wurde ein Tempelhaus errichtet, das in seinem Grundriß und der Säulenanordnung möglichst genau dem zerstörten entsprechen sollte. Insgesamt sollen 127 Säulen von je mindestens 18 m Höhe Verwendung gefunden haben.
Unter der Herrschaft des Imperium Romanum über Ephesos (seit 133 n. Chr.) wurde aus der griechischen Artemis die römische Diana. Nach den Plünderungen und Brandschatzungen zur Gotenzeit (262 / 263 n. Chr.) und der völligen Zerstörung unter Constantin dem Großen, nach der Seldschuken- und Osmano-Türkenzeit (13. und 15. Jhd.), verschwanden die Überreste im mehr und mehr ansteigenden Sumpfgelände.



 
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Nach wenigen Schritten erreicht man die Reste der Basilika des hl. Johannes, die nahezu die ganze Breite des Hügelrückens einnahm und einst neben der Hagia Sophia und der zerstörten Apostelkirche in Konstantinopel zu den größten byzantinischen Kirchen zählte. Nach der Überlieferung soll unter der Basilika das Grab des hl. Johannes des Theologen liegen. Über der Stelle des Grabes wurde zunächst ein Mausoleum in Form eines von 4 Säulen getragenen Kreuzgewölbes errichtet, das später durch ein dreischiffiges Langhaus, ein Querschiff und einen fünfschiffigen Chorbau zu einer mit einem höl-zernen Dach gedeckten Basilika umgebaut wurde. Kaiser Justinian (527 - 565 n.Chr.) ersetzte diese Kirche durch den monumentalen Steinbau einer dreischiffigen Basilika, welche die Form eines lateinischen Kreuzes hatte und von 6 Kuppeln (4 über dem Lang-haus und je eine über den Flügeln des Querschiffes) überwölbt wurde. Zusammen mit dem der Westseite vorgelagerten Narthex und dem Säulenarkadenhof hatte diese Kirche eine Länge von 130 m und eine Breite von 40 m. Im Innern lagen über den Seiten-schiffen Emporen, die über die Querschiffe hinaus bis zur Chorapsis durchliefen. Die Stätte des Heiligengrabes war durch eine zweistufige Marmorplatte gekennzeichnet, die nach Osten hin durch eine Apsis mit den Presbytersitzen abgeschlossen war. Von hier führte eine Treppe zum Grab hinab. Die Seldschuken bauten nach der Eroberung von Ephesus die Basilika 1330 zu einer Mo-schee um. Später diente sie als Basar, bis dann ein Erdbeben das Gebäude zerstörte (z.T. wiederhergestellt).




OEA at (man nehme auch Bilder von der Webseite)

DAS ARTEMISION VON EPHESOS
Das Artemision von Ephesos, einstmals als antikes Weltwunder berühmt, wurde im Jahre 1869 von J.T. Wood wiederentdeckt. Die Funde aus dieser Unternehmung gelangten mit jenen der Grabung von D.G. Hogarth (1904/05) in die Museen von Istanbul und London. Sie umfassen vor allem Architektur und Bauplastik des archaischen und spätklassischen Tempels im Britischen Museum; im Archäologischen Museum in Istanbul befindet sich ein einzigartiger Fundkomplex des 8. - 6. Jhs. v.Chr. mit Hunderten von figürlichen und nichtfigürlichen Votiven aus Materialien wie Gold, Silber, Bronze, Elfenbein, Bernstein und Kristall. Sensationelles Ergebnis der Grabung von Hogarth war der Nachweis älterer Kultanlagen an der Stelle der beiden späteren Marmortempel.
Bereits 1895 wurde von Seiten Österreichs eine Untersuchung im Artemision durchgeführt: O. Benndorf und C. Humann suchten - allerdings vergeblich - nach dem von Strabon (XIV C 641) als 'fast ganz voll mit Werken des Praxiteles' beschriebenen Altares des Artemisions.
Nach der Übernahme der Artemisiongrabung durch das Österreichische Archäologische Institut wurde von Anton Bammer 1965 dieser große Hofaltar im Westen des Artemisions entdeckt. Die bis heute durch das ÖAI weitergeführten Arbeiten haben gezeigt, daß das Heiligtum ein Paradeigma für antike Architektur ist. Die beiden Marmortempel aus archaischer und spätklassischer Zeit gehören zu den am reichsten dekorierten Bauwerken der antiken Welt. Der im Inneren des Tempelhofes gefundene Peripteros aus dem 8. Jh. v.Chr. an der Stelle der bereits von Hogarth ausgegrabenen sog. Zentralbasis (= Central Base) ist Vorbild für viele Ringhallentempel, bis hin zum Parthenon der Athener Akropolis. Der Hofaltar des 4. Jhs. v.Chr. ist als Vorläufer und Vorbild für spätere Monumentalaltäre, wie z. B. den Pergamonaltar zu sehen. Hervorzuheben sind aber auch kleinere Anlagen des 7./6. Jhs., sog. Kultbasen, bei denen sich Votive und Tierknochen fanden.
Die Ausgrabungen haben auch unser Verständnis für Religion und Kulte vertieft. Da bereits im 6. Jh. v.Chr. alle älteren Anlagen aufgegeben und damit versiegelt wurden, sind die Kleinfunde als gespeicherte Information über den Kult sowie das Kultbild zu verstehen. Die Funde aus den österreichischen Grabungen im Museum von Selçuk, die großteils in das 8. - 6. Jh. gehören, zählen - wie jene schon erwähnten im Museum von Istanbul - zu den bedeutendsten Westkleinasiens. Mit ihrer Hilfe ist eine Definition des ephesischen Kultplatzes und der dort verehrten Göttinnen möglich. In den 90er Jahren kamen zum ersten Mal auch Funde aus mykenischer Zeit, vielleicht sogar aus minoischer Zeit zutage. In Zusammenhang mit den neuentdeckten prähistorischen Siedlungsplätzen, wie etwa dem auf dem Hügel von Ayasoluk - kommt dieser Zeit auch im Artemision eine ganz besondere Bedeutung zu. Im Artemision ist menschliche Existenz heute durch die keramische Evidenz 2000 Jahre lang nachweisbar, für die Dauer von etwa 1000 Jahren läßt sich auch ein Kultplatz belegen. Das Artemision ist ein Beispiel dafür, daß die Geschichte eines Platzes nicht nur von den Menschen, sondern besonders auch von der Lage des Kultplatzes und seinen spezifischen Umweltbedingungen mitbestimmt wird.

Literatur:
J.T. Wood, Discoveries at Ephesus (1877).
D.G. Hogarth (Hrsg.), Excavations at Ephesus (1908).
A. Bammer, Das Heiligtum der Artemis von Ephesos (1984).
A. Bammer - U. Muss, Das Artemision von Ephesos, Sonderh. AW 20 (1996).
A. Bammer, Sanctuaries in the Artemision of Ephesos, in: R. Hägg (Hrsg.), Ancient Greek Cult Practise from the Archaeological Evidence, OpAth 15, 1998, 227 ff.

Bearbeitung der Grabungsergebnisse

Die Finanzierung des Projektes erfolgt aus Budgetmitteln des ÖAI und durch Zuwendungen des Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung in Österreich, der Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien sowie durch den Fonds der Österreichischen Nationalbank. Das Projekt Artemision wurde bis 1996 von A. Bammer geleitet und wird seither von U. Muss weitergeführt.
Die Grabungen wurden 1994 vorläufig abgeschlossen, seither wird an einer kontextorientierten Vorlage der Funde gearbeitet. Für das Jahr 2001 ist die Wiederfreilegung des geometrischen Peripteros geplant. Außerdem wird eine Ausstellung vorbereitet, die in Wien, Istanbul und Selçuk die Funde aus den englischen und österreichischen Ausgrabungen erstmals gemeinsam zeigen soll. In einem zugehörigen Katalogband und einem Forschungsband werden die Fundgattungen und der aktuelle Stand der Forschungen vorgestellt.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung erfolgt in folgenden Schwerpunkten:

Mit der Darstellung von Topographie und Architektur des Artemisions während der vorkroisischen Bauphasen beschäftigen sich A. Bammer und M. Weißl, der durch ein ÖAI-Stipendium und den Fonds der Österreichischen Nationalbank und dem FWF finanziert wird.
Die archaische Architektur des Tempels wird von A. Ohnesorg in Kooperation mit der Technischen Universität München bearbeitet. Die Bearbeitung der Architektur des großen Hofaltares durch A. Bammer, M. Büyükkolanci und U. Muss wurde bereits 1999 abgeschlossen. Zum Tondach des Peripteros des 8./7. Jhs. gehören etwa 600 Fragmente, die von P. Schneider (Hochschule für Technik, Stuttgart) und U. Schädler (Archäologisches Museum, Xanten) bearbeitet werden.

Bearbeitet wurden die geometrische und orientalisierende Keramik aus dem Altar und Hekatompedosbereich von F. Brein, die korinthische und attische Importkeramik von A. Gasser.
In Bearbeitung durch M. Kerschner ist die bemalte ostgriechische Keramik (FWF Projekt-Nr. P 11033-SPR) sowie als Fortsetzung die frühe Keramik aus den Sondagen im geometrischen Peripteros (FWF Projekt-Nr. 13187 - SPR). Für beide Projekte werden als interdisziplinäres Vorhaben (in Zusammenarbeit mit H. Mommsen, Bonn) archäometrische Tonuntersuchungen durchgeführt.
Mit der Bearbeitung der islamischen Keramik aus dem Artemision wurde 1999 von J. Vroom (Universität Leiden) begonnen.

Die etwa 2000 klassifizierbaren Bronzeobjekte werden im Rahmen einer Dissertation von G. Klebinder bearbeitet, deren Forschungen vom FWF (Projekt-Nr. 11033-SPR und 13187-SPR) gefördert werden.
Im Rahmen von Dissertationsvorhaben wurde 1999 die Bearbeitung der Perlen und Anhänger aus Ton, Stein, Glas und Fayence von B. Pulsinger und der Goldfunde von A.M. Pülz begonnen. Technologische Untersuchung an ausgewählten Goldobjekten werden für die Objekte aus den Grabungen von D.G. Hogarth im Museum Istanbul von Ch. Scheich (Universiät Leuven) durchgeführt, für die Objekte im Museum Selçuk von V. Freiberger und K. Gschwantler (Wien, Kunsthistorisches Museum, Antikensammlung).
Die Münzen bearbeitet St. Karwiese.

Die Terrakotten werden von U. Muss, in Zusammenarbeit mit M. Dewailly (Ecole Francaise de Rome) und S. Radbauer, bearbeitet.
Die Bearbeitung der Bernsteinfunde liegt bei A. Bammer und U. Muss, die der Elfenbeine bei U. Muss.
Die archaischen Aegyptiaca bearbeitet G. Hölbl (Wien, Kunsthistorisches Museum, Orientalische Sammlung).

Im Rahmen interdisziplinärer Projekte werden Funde aus dem Artemision in den Bereichen der Archäozoologie, Archäobotanik und Geologie untersucht und die Herkunft der Bauteile aus Marmor bestimmt. Im Rahmen der Aufarbeitung der Keramik erfolgen Tonuntersuchungen.
Die Tierknochen im Bereich des Altares wurden von P. Wolff bearbeitet. Das Projekt wird jetzt in Kooperation mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien von G. Forstenpointner durchgeführt.
Eine Arbeitsplanung für eine Einbeziehung archäobotanischer Methoden in die laufenden Auswertungen wird erstellt (Institut für Archäobotanik der Universität Wien); erste Untersuchungen wurden von M. Popovtschak begonnen, diese werden von U. Thanheiser weitergeführt.
Die Untersuchungen der geologischen Verhältnisse im Artemision erfolgt durch Ch. Kraft (Universität Delaware, USA), Ilhan Kayan (Universität Izmir) und H. Brückner (Universität Marburg).
Herkunftsbestimmungen von Marmor werden von L. Moens und Mitarbeitern (Universität Gent) durchgeführt.

Literatur:
Hofaltar:
A. Bammer - M. Büyükkolanci - U. Muss, Der Altar des Artemisions von Ephesos, FiE XII/2 (in Druck).
Bauplastik:
U. Muss, Die Bauplastik des Archaischen Artemisions von Ephesos, SoSchrÖAI 25 (1994).
Keramik:
F. Brein, EPRO 66,1 (1978) 116-138.
F. Brein in: Xth International Congress of Classical Archaeology 1973 (1978).
A. Gasser, Die korinthische und attische Importkeramik vom Artemision in Ephesos, FiE XII/1 (1989).
A. Gasser, Local Archaic Pottery from Ephesos in: F. Blondé - J.Y. Perreault (Hrsg.), Les ateliers de potiers dans le monde grec aux époques géometrique, archaique et classique, Table Ronde, Athen 1987, Suppl. BCH 23 (1992) 189-193.
M. Kerschner, Ein stratifizierter Opferkomplex des 7. Jhs. v.Chr. aus dem Artemision von Ephesos, ÖJh 66, 1997, Beibl. 85-226.
M. Kerschner, Das Keramikbild von Ephesos im 7. und 6. Jh. v.Chr., in: V. v. Graeve (Hrsg.), Frühes Ionien. Eine Bestandsaufnahme. Akten des Symposions: 100 Jahre Milet, 1999 (in Druck).
M. Akurgal - M. Kerschner - H. Mommsen - W.-D. Niemeier, Archäometrische Untersuchungen zur Keramik der mykenischen, spätgeometrischen und archaischen Epochen in Westkleinasien (in Vorbereitung für ErghÖJh).
Bronzen:
G. Klebinder, Festlandgriechische Bronzen im Artemision von Ephesos, in: Die Ägäis und das westliche Mittelmeer. Beziehungen und Wechselwirkungen im 8. - 5. Jh. v.Chr. (in Druck).
Gold:
A. Bammer, Gold und Elfenbein von einer neuen Kultbasis in Ephesos, ÖJh 58, 1988, 1-23.
A. Bammer - U. Muss, Das Artemision von Ephesos (1996) bes. 71 ff.
Münzen:
St. Karwiese, Die Münzprägung von Ephesos. Die Anfänge: Die ältesten Prägungen und der Beginn der Münzprägung überhaupt (1995).
Terrakotten:
U. Muss, Kleinplastik aus dem Artemision von Ephesos in: V.v. Graeve (Hrsg.) Frühes Ionien. Eine Bestandsaufnahme. Akten des Symposions: 100 Jahre Milet, 1999 (in Druck).
Bernsteinfunde:
A. Bammer, AnatSt 40, 1990, 137-160.
A. Bammer, Recenti scoperte archeologiche ad Efeso, in: L. de Finis (Hrsg.), Dal teatro greco al tearo rinascimentale; momenti e linee die evoluzione (1992) 21-52.
Elfenbeine:
A. Bammer, ÖJh 56, 1985, 39-58.
A. Bammer, ÖJh 58, 1988, 1-23.
U. Muss in J. L. Fitton (Hrsg.), Ivory in Greece and the Eastern Mediterranean (BM Occasional Papers 85) (1992) 205-209.
Aegyptiaca:
G. Hölbl, Archaische Aegyptiaca aus Ephesos, in: Die epigraphische und altertumskundliche Erforschung Kleinasiens: Hundert Jahre Kleinasiatische Kommission (1993) 227-253.
Archäozoologie:
P. Wolff, Das Tieropfer am Artemisaltar von Ephesos, EPRO 66, 1 (1978) 107-115.
G. Forstenpointner, Untersuchungen zur osteologischen Manifestation des Tieropfers im ägäischen Raum anhand der Tierknochenfunde aus dem Artemision von Ephesos (Habilitationsschrift, Vet.Med. Univ.Wien 1998).
B. Riezler, Tierknochenfunde aus dem Artemision von Ephesos. Die Wiederkäuer (Diss., Vet.med. Univ.Wien 1993).
R. Krachler, Tierknochenfunde aus dem Artemision von Ephesos. Die Nicht-Wiederkäuer. (Diss., Vet.med. Univ.Wien 1993).
Herkunftbestimmung von Marmor:
A. Bammer, Ephesian Marbles and their relation to Paros, in: Paria Lithos. First International Congress of the Archaeology of Paros and the Cyclades 1997 (2000).
Kontakt:


 
Nördlich über der Johannes-Basilika, auf der Spitze des Hügels die noch wohlerhaltene Zitadelle, über deren Baudatum keine schriftlichen Quellen existieren. Doch kann aus der Art des Mauerwerks geschlossen werden, daß die Festung noch in byzantinischer Zeit errichtet und dann von den Seldschuken weiter ausgebaut wurde. Die mächtige Umfassungsmauer hatte 15 meist recht-eckige Wehrtürme. Um Mauer und Türme läuft ein geschlossener Zinnenkranz. Wahr-scheinlich bestand nur ein einziger Zugang. Im Innern befinden sich mehrere Zisternen, eine kleine Moschee aus seldschukischer Zeit und eine byzantinische Kirche.

Am Südwesthang des Zitadellenhügels er-hebt sich die aus seldschukischer Zeit stammende Große Moschee (auch Isa-Bey- oder Selim-Moschee). Das 57 x 51 m messende hohe Mauerrechteck umschließt einen großen Arkadenhof mit dem Brunnen für rituelle Waschungen und dem eigentlichen Bet-raum. Dieser war in seinem zentralen Teil durch zwei säulengestützte Kuppeln überwölbt, während die beiden Seitenflügel fla-che Holzdächer trugen. Die großen schwarzen Granitsäulen stammen von den römi-schen Thermen am Hafen. Die Verbindung zum Arkadenhof wird durch drei Säulenbögen und zwei Nebeneingänge hergestellt. Uber der außen mit Marmor verkleideten westlichen Moscheemauer steigt ein rundes Minarett bis zur Höhe des Umganges für den Muezzin auf. Das entsprechende Minarett an der östlichen Mauer ist dagegen völlig zer-stört. Die hohen Rechteckfenster haben ver-schieden gearbeitete Zierrahmen. Ober dem mit Inkrustationen reich geschmückten Portal ist eine kunstvoll gearbeitete Inschrift zu erkennen: ,,Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmenden! Es befahl die Errichtung dieser gesegneten Moschee der glorreiche Sultan, der Machthaber über die Nacken der Völker und der Gläubigen, der Glaubensheld Isa, Sohn des Mohammed, Sohn des Aydin, dessen Herrschaft Gott lange dauern lassen möge. Erbaut von dem Baumeister Ah, dem Sohne des Muschimisch Ah Damischki, und von ihm geschrieben am 9. des Monats Schaban zu Neumond des Jahres 776" (30. 1. 1375).

In der Umgebung der Großen Moschee standen in seldschukischer Zeit noch 14 kleine Moscheen. Diese in der Regel quadratischen Kuppelbauten sind in mehr oder weniger gu-tem Zustand z.T. heute noch erhalten.

Etwa 300m südlich unterhalb der Großen Moschee, vom Hauptplatz in Selçuk halbrechts in Richtung Ephesus (am Archäologischen Museum vorüber; rechts; u.a. drei Ar-temisstatuen), erreicht man die rechts in ei-ner flachen sumpfigen Mulde gelegenen ge-ringen Reste des Artemiseion, des Tempels der Artemis, der einst als eines der sieben Weltwunder galt.