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Die zu großen Teilen von österreichischen Archäologen freigelegte Stadt Ephesos nahe dem Ort Selçuk
ist die attraktivste antike Ausgrabungsstätte der Türkei. Ein weiterer Grund, ihr mindestens ein paar
Stunden zu widmen, sind die Sehenswürdigkeiten aus byzantinischer Zeit und das Museum mit seinen Statuen.
Dieses sollte man zur Einstimmung als erstes besuchen.
Nur wenige Städte gestatten einen so lebendigen Einblick in die Lebensweise der Antike
wie Ephesos. Theater, luxuriöse Badeanlagen und eine Bibliothek zeugen vom Wohlstand, den die Siedlung mehr
als 1000 Jahre lang genoß.
Niemand weiß genau, wie alt Ephesos ist. Am westlichen Hang des Burgberges befinden sich Reste einer ersten
Siedlung der Karer und Leleger, es waren anatolische Völker, die dort vor rund 4000 Jahren der Erd- und Muttergöttin
Kybele ein Heiligtum errichteten. Um 1000 v. Chr. ließen sich Ionier aus Griechenland unterhalb des Panayir
Berges nieder. Diese brachten ihre Göttin Artemis mit und verschmolzen so ihren Kult mit dem anatolischen.
Dank der günstigen Lage in der schützenden Koressos-Bucht, die griechische Inselwelt vor der Tür
und das weite Kleinasien im Rücken, war der wirtschaftliche Erfolg von Ephesos vorprogrammiert; die Stadt
spielte lange eine bedeutende Rolle im Überseehandel. Dazu besaßen sie ihr Artemis-Heiligtum. Der Tempel
galt als eines der Sieben Weltwunder. Er diente einst nicht nur religiösen Zeremonien, sondern war eine der
größten Banken Kleinasiens, die auch Kredite vergab.
Bei allem Wohlstand äußerte der 540 v. Chr. in Ephesos geborene griechische Philosoph Heraklit, Sohn
eines Priesterfürsten, jedoch wenig Schmeichelhaftes über seine Landsleute: »Möget ihr nie
euren Reichtum verlieren, Ephesier, daß nicht sichtbar wird, wie verkommen ihr seid«, schrieb er.
Doch die Flüsse legten Aufstieg und Niedergang antiker Städte fest, wer die Stadt heute besucht, kann
sich nur schwer vorstellen, daß sie einst am Meer lag. So verläuft die Hafenstraße von Ephesos
heute etwa etwa fünf Kilometer hinter der Küstenlinie. So fielen mit der Zeit die Siedlungen den Launen
der sich zwischen Bergketten hindurchschlängelnden Flusses Mäander zum Opfer; die angeschwemmte Erde
ließ die Häfen von Ephesos, Milet und Herakleia, das am heutigen Bafa-See liegt, verlanden und entzog
ihnen die Lebensgrundlage.
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