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Die bei dem Städtchen Selçuk etwa 75 km südlich von lzmir in der Küstenebene des Küçük Menderes (,Kleiner Mäander'), des antiken Kaystros, gelegenen Ruinen der altgriechischen Stadt Ephesos (Ephesus; türkisch Efes) gehören zu den größten Sehenswürdigkeiten der Türkei. Wie Milet lag Ephesus im Altertum unmittelbar am Meer und besaß einen bedeutenden Hafen, dem es im wesentlichen seinen Reichtum verdankte. Dann schob der sedimentbeladene und häufig seinen Lauf wechselnde Kleine Mäander die Küstenlinie immer weiter zurück, während gleichzeitig die Meeresströmung vor der Bucht einen Nehrungswall aufbaute, der zur Versumpfung des Hinterlandes führte. So konnte schon in römischer Zeit nur noch ein zungenförmiges Hafenbecken freigehalten werden.

Zur Aufrechterhaltung einer Schifffahrtsstraße nach Ephesus hätte es großer Arbeiten bedurft, für die jedoch in den Wirren der nachhellenistischen Zeit, vor allem aber infolge der völlig veränderten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der byzantinischen und osmanischen Epoche keine Voraussetzungen bestanden. Ephesus verödete und wurde allmählich von Flußablagerungen zugedeckt. Was von den Marmor-Ruinen noch über den Boden herausragte, wurde als Baumaterial verwendet oder zu Löschkalk verbrannt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen Ausgrabungen, die das heute außerordentlich eindrucksvolle Ruinenfeld z.T. freilegten.

Auf dem unmittelbar nördlich über Selçuk und etwa 2 km nordöstlich der hellenistischen Stadt aufragenden Hügel, an den einst das Meer brandete (Heiliger Hafen), haben vermutlich die ältesten Bewohner dieser Gegend, die Karier und Lyder, eine befestigte Ansiedlung gehabt. In ihrem Schutze lag am Westabhang das uralte Heiligtum der großen Naturgöttin Kleinasiens, die später von den Griechen der Artemis gleichgesetzt und als Spenderin üppiger Fruchtbarkeit dargestellt wurde.

Diese Ansiedlung wurde seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. von ionischen Griechen, nach der Sage unter Androklos, dem Sohn des Kodros, von Samos her nach langen Kämpfen hellenisiert. Im Dienste der großen Naturgöttin schlossen sich Fremde und Einheimische zusammen und nannten sich Ephesier. Infolge der günstigen Lage an einer tief ins Land eingeschnittenen Bucht, dem Endpunkt einer Haupthandelsstraße aus dem Innern, und in der fruchtbaren Asischen Ebene nahm Ephesos, das dem ionischen Zwölfstädtebund angehörte, einen glänzenden Aufschwung und wurde eine blühende Handelsstadt. Um 550 v.Chr. mußte sich die Stadt den Lydern unter König Kroisos (Krösus) unterwerfen, der die Bewohner zwar freundlich behandelte, sie jedoch um den Artemistempel in der Ebene ansiedelte.
 
Nach dem Untergang des lydischen Reiches (545) herrschten die Perser über die Stadt, die mit der persischen Königsstraße durch einen Zweigarm nach Sardes verbunden und um 540 - 480 Wirkungsstätte des Philosophen Heraklit war. Als unbefestigter Ort trat sie während des ionischen Aufstandes gegen die Perser nicht hervor und blieb auch länger als die Nachbarstädte persisch (etwa bis 466). Im Jahre 412 v.Chr. trennte sie sich vom Attischen Reich, war dann lange Zeit das Hauptquartier Lysanders (gest. 395), des Feldherrn der Spartaner, und später wieder bis 334 persisch. Alexander d. Gr. wandte auch ihr seine Fürsorge zu.

Um die verlorengegangene Verbindung mit dem Meere wiederzugewinnen, verlegte König Lysimachos um 287 v. Ohr. die Stadt in die Niederung zwischen dem Pion und Koressos, dem heutigen Panagir Dagi und dem Bülbül Dagi (dag = Berg), die beide mit in die Befestigung einbezogen wurden, ohne daß der eingeschlossene Raum jemals ganz bewohnt war. Das Artemiseion lag von da ab außerhalb der Stadt. Die Gebäude der älteren Siedlung wurden abgetragen. Lysimachos nannte die neue Stadt nach seiner Ge-mahlin Arsinoela; nach seinem Tode nahm sie aber wieder den alten Namen Ephesos an. - Nachdem die Stadt später einige Zeit zum Pergamenischen Reich gehört hatte, kam sie 133 v.Chr. an die Römer. In den Jahren 88 - 84 v. Chr. beherrschte sie vorübergehend Mithradates, der König von Pontos, der von hier seinen bekannten Befehl zur Ermordung aller im westlichen Kleinasien lebenden Römer erließ. In der römischen Kaiserzeit (1. und 2. Jh. n. Chr.) gelangte Ephesus als Hauptstadt der Provinz Asia zu neuer Bedeutung und war nach Alexandria die größte Stadt des Ostens (über 200000 Einw.). Unter Tiberius richtete ein Erdbeben schlimme Verwüstungen an (29 n.Chr.). Hadrian ließ großartige Schutzbauten für den Hafen, vielleicht auch den noch erkennbaren Kanal aus-führen.

Für das Christentum gewann die Stadt frühzeitig große Bedeutung. Paulus predigte hier auf seiner zweiten Missionsreise und wirkte später drei Jahre (55-58) in Ephesus (Apostelgesch. 18, 19; 19). Die Hauptkirche war später dem hl. Johannes geweiht und eine der Kirchen Kleinasiens, die von Pilgern viel aufgesucht wurde. Im Jahre 263 zerstörten die Goten auf einem ihrer Seezüge die Stadt und das Artemiseion. Im Oströmischen Reich verlor sie, hauptsächlich wohl durch die fortschreitende Versandung des Hafens, immer mehr an Bedeutung und Größe, so daß ein engerer Mauerring, der kaum das Hafenviertel schützte und den hellenistischen Markt ausschloß, mit teilweiser Benutzung des älteren gezogen werden mußte. 431 n.Chr. fand jedoch noch das dritte ökumenische Konzil statt. Unter Justinian zog man sich ganz auf den ältesten Burghügel am Artemiseion zurück.

Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts eroberten und verloren die Seldschuken die Stadt, die damals von den Venezianern Altoluogo genannt wurde, mehrfach. Doch war sie neben Palatia (am Marmara-meer) noch lange Zelt ein bedeutender Handels-platz mit großem Bazar auf der Burg. In einer Marina, wohl dem späteren Neu-Ephesus, wohnten rei-che christliche Kaufleute und ein Konsul der Italiener. Nach einer kurzen Herrschaft der Osmanen (1426), welche die Burg ausbauten, wurde Ephesus durch die Mongolen unter Tamenlan erobert und geplündert. Die letzten noch erhaltenen Reste der Stadt fielen dann bei den nachfolgenden schweren Auseinandersetzungen zwischen den Seldschuken und den Osmanen in Trümmer.

Die Ausgrabungen begannen 1866, als es dem englischen Ingenieur J.T. Wood gelang, das Arte-miseion, das wie die meisten anderen antiken Bauwerke völlig verschüttet war, wiederaufzufinden und 1871 - 74 freizulegen. Zwischen 1898 und 1913 setzte das Österreichische Archäologische Institut die Grabungen fort und legte einen großen Teil der lysimachischen Stadt frei. Zwischen 1919 und 1922 forschten griechische Archäologen bei der Basilika des hl. Johannes. Weitere Grabungen österreichischer Archäologen unter türkischer Regie sowie die seit 1954 betriebenen und laufend fortgeführten Grabungen des österreichischen Archäologischen Instituts führten zu dem gegenwärtigen Bild von der untergegangenen Stadt.



von at

Die Geschichte der Stadt Ephesos reicht bis in das Neolithikum zurück, fand ihren Höhepunkt in der griechisch-römischen Antike und erlebte eine letzte Blüte unter der seldschukischen Dynastie der Aydinogulari im 14. Jahrhundert n. Chr.

Zentraler Siedlungsplatz war schon im 3. Jahrtausend v. Chr. der heute Ayasoluk (enstanden aus: Hagios Theologos) genannte Hügel, von dem sich die moderne Ortschaft Selçuk nach Süden hin ausbreitete.
Die venezianisch-osmanische Zitadelle auf dem höchsten Punkt ist die jüngste einer Reihe von Festungen, deren älteste in der Bronzezeit errichtet wurde. An dieser Stelle könnte möglicherweise das in hethitischen Kriegsberichten im mittleren 2. Jahrtausend v. Chr. erwähnte Apasa lokalisiert werden. Von der hier gegründeten mykenischen Handelsniederlassung und der griechischen Siedlung sind bisher nur vereinzelte Gräber bekannt geworden.

Am Westausläufer des Ayasoluk entstanden spätestens mit der verstärkten Einwanderung von Griechen aus Athen und der Peloponnes seit dem 10. Jahrhundert v. Chr. in einem alten Heiligtum - Vorläufer des Heiligtums der Artemis - erste Baulichkeiten aus Stein.
Der wegen seines Reichtums legendäre Lyderkönig Kroisos half bei der Finanzierung eines der gewaltigsten Tempelbauten der Antike, dem im 6. Jahrhundert v. Chr. errichteten Artemision. Das Artemision blieb auch wegen seines reichen Grundbesitzes und des Asylrechts, und der sich daraus entwickelnden Funktion als Bank bis in die Spätantike der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Stadt...



apa - türk Küste Buch


EPHESOS

Im 6. Jh.v.Chr., als Ephesos eine reiche Hafenstadt war, verfaßte Heraklit, der Sohn eines ephesischen Priesters, eine philosophische Abhandlung über die Natur. Er widmete sie Artemis, der Göttin der Natur und der Mutterschaft. Für den berühmten Sohn der Stadt sym-bolisierte sich die ständige Verände-rung, die er als fundamentale Eigen-schaft der Natur erkannte, am deutlich-sten im Wasser der Flüsse. Daß der Fluß Kaystros (Kü~ük Menderes auf Tür-kisch), der ins ägäische Meer fließt, die Landschaft inzwischen so sehr verän-dert hat, scheint die Theorie Heraklits zu bestätigen und erklärt auch das Ver-schwinden der Stadt Ephesos.
Ephesos war für Europa, Afrika und Asien eine wichtige Handelsstadt und daher abhängig von einem funktionie-renden Hafen. Ihr Abstieg begann, als durch den Schlamm, den der Kaystros jahrhundertelang im Delta abgelagert
hatte, der Hafen verlandete. Heute lie-gen die Ruinen der Stadt 5 Kilometer weit im Landesinneren, und 500 Jahre lang, von 1450 bis 1950, wußte kaum jemand etwas von ihrer Existenz.
In seiner Blütezeit hatte Ephesos mehr als eine Viertelmillion Einwohner und war das wichtigste Handelszen-trum Westanatoliens. Auf Inschriften wird die Stadt als ,,erste und größte Metropole Asiens" bezeichnet.
Britische und österreichische Ar-chäologen begannen im 19. Jh. mit Aus-grabungen. Sie schmuggelten viele Funde außer Landes, gaben sie aber zum großen Teil zurück, als die Regie-rung mit dem Verbot weiterer Ausgra-bungen drohte.
In den letzten Jahrzehnten sind die Ausgrabungsstätten ein Anziehungs-punkt für Reisende aus aller Welt ge-worden, und so hat sich Ephesos in gewisser Weise wieder zu einem inter-nationalen Zentrum entwickelt. Mit ein wenig Phantasie kann man sich vorstel-len, wie diese Stadt aussah, als sie noch bewohnt war, aber auch die Vergäng-lichkeit menschlichen Schaffens wird einem hier vor Augen geführt.
Uber die Jahrhunderte hinweg haben sich hier Kulturen entwickelt und Reli-gionen verbreitet. Von den frühesten Bewohnern von Ephesos weiß man nur wenig. Die Karer, deren wichtigste Siedlung Halikarnassos (Bodrum) war, betrachteten sich offenbar als die Urein-wohner. Die Gründung von Ephesos dürfte allerdings auf griechische Ein-wanderer zurückgehen.

Mykenische Töpferkunst: Das früheste Zeichen menschlicher Besiedlung in Ephesos ist bemalte Töpferware myke-nischen Ursprungs, die um 1400 v.Chr. hergestellt wurde und heute im Ephe-sos-Museum in Sel~uk zu sehen ist. Die fein gearbeiteten mykenischen Schalen waren eine weitverbreitete Handelswa-re, die an verschiedenen Orten zwi-schen Troja und Bodrum gefunden wur-de. Es ist nicht geklärt, ob Mykener in Ephesos angesiedelt waren, oder ob sie nur mit der dortigen Bevölkerung Han-del trieben. Die Stadt Apasas, die in hethitischen Berichten dieser Zeit auf-taucht, ist aber mit Sicherheit Ephesos.

Nachweislich kolonisiert wurde die ionische Region um Ephesos dann um 1000v. Chr. Ein Streit um die Vorherr-schaft in Athen veranlaßte athenische Siedler unter Führung von Androklos, dem Sohn von Kodros, König von Athen, am Fuß des Berges Pilon die Stadt Ephesos zu gründen. Androklos soll auf Anweisung des Apollon-Ora-kels an einer Stelle, an der ein wilder Eber getötet worden war, der Athene einen Tempel geweiht haben. Die Reste dieses Tempels dürften auf dem Hügel westlich des römischen Stadions lie-gen. An der Straße vor dem Tempel stand jahrhundertelang ein Bildnis des Ebers - ein Zeichen des Dankes dafür, daß sich das Orakel erfüllt hatte.
Die Karer kämpften zwar vergeblich gegen die griechischen Eindringlinge, aber es gelang ihnen, Androklos zu tö-ten, dem in der Nähe des Magnesischen Tores ein Grabmal errichtet wurde. Sei-ne Nachkommen regierten Ephesos in den folgenden vier Jahrhunderten.

Der habgierige König: Bald wurde der habgierige König Krösus von Sardis auf
den zunehmenden Wohlstand der ioni-schen Stadt aufmerksam. 560 v. Chr. eroberte der Lyder Ephesos; seine Be-wohner siedelte er in dem Gebiet um das Artemision, den Artemis-Tempel, an. Diesen Tempel schmückte er mit Statuen von goldenen Kälbern und schönen Säulenkapitellen, von denen eines auch seinen Namen trägt. Um die Stadt zog er eine Befestigungsmauer.
Nachdem der persische König Kyros 546 v. Chr. Krösus besiegt hatte, geriet Ephesos unter die Herrschaft eines per-sischen Statthalters. Zwar durften die Bewohner der Stadt weiterhin Handel treiben und ihre Religion ausüben, aber sie mußten hohe Tributzahlungen an die Perser abführen. Zwischen 546 und 334 v. Chr. herrschte ständig Unruhe in Ionien, weil Griechen und Perser ge-geneinander Krieg führten. Als Alexan-der der Große schließlich im Jahr 334 v. Chr. die Perser in der Schlacht am Granikos am Südufer des Marmara-Meeres besiegte, wurde auch Ephesos
befreit und zu einer demokratisch re- Das gierten Stadt. Kurze Zeit herrschten von
dann die ägyptischen Ptolemiden-Kö-nige, bevor die Attaliden von Pergamon die Macht übernahmen.

Das römische Ephesos: Ab 133 v. Chr.
wurde Ephesos von den Römern kon-trolliert. 88 v. Chr., als sie an einem erfolgreichen Aufstand gegen Rom teil-nahmen, konnten die Epheser die Besatzer vertreiben, allerdings nur vor-übergehend. Nachdem der römische Kaiser Augustus Ephesos 27 v. Chr. zur Hauptstadt der Provinz Asia ge-macht hatte, entwickelte es sich zu einer der größten Städte im römischen Reich; außer Ephesos verfügten damals nur noch zwei andere Städte über eine Stra-ßenbeleuchtung.
Das römische Ephesos war eine freie Stadt, die von zwei Kammern regiert wurde: eine für die gewöhnlichen Bür-ger (Demos), die andere für die Bule, eine 300köpfige Elite. Reiche Epheser konnten ihre Reputatlon verbessern, in-dem sie öffentliche Gebäude finanzier-ten und Fe~te stifteten. Hoch angesehen war die prYtanis, eine Vereinigung, die sowohl Männern als auch Frauen offen-
stand. Sie trug die Kosten für die Tier-opfer, überwachte die kultischen Hand-lungen und unterhielt das heilige Feuer im Prytaneion, das zu Ehren der Hestia, der Göttin des Herdes, brannte.
Als Kaiser Hadrian im Jahre 123 n. Chr. Ephesos besuchte, wai~ es noch immer ein reiches Handelszentrum und die Residenz des römischen Statthalters der Provinz Asia. Die meisten Gebäude, die heute zu besichtigen sind, stammen aus dieser römischen Zeit, zu der Ephe-sos nahezu 250 000 Einwohner hatte. Häuser, Brunnen und Denkmäler sind reichen römischen Beamten und Ephe-sern zu verdanken. Nach dem zerstöre-rischen Angriff einer Goten-Flotte im Jahr 262 n. Chr. begann der langsame Untergang des prächtigen Ephesos.
Während dieser Ara des Verfalls wurden Christen verfolgt, die sich wei-gerten, Tiere zu opfern und den Göttern zu huldigen. Im selben Stadion, wo sich das römische Publikum am Kampf der Gladiatoren gegen wilde Tiere ergötzte, wurden die Christen den Löwen vorge-worfen. Als das Christentum dann rö-mische Staatsreligion geworden war, sollen alle Sitze im Stadion von Ephe-sos zerstört worden sein. Heute finden in diesem Stadion die beliebten Kamel-kämpfe statt.
Die Legende, die sich um die Höhlen der Siebenschläfer rankt, illustriert den Aufstieg des Christentums: Um 250 suchten sieben junge Christen Zuflucht in einer Höhle, die ungefähr 500 m östlich des Vedius-Gymnasiums liegt. Als sie nach 200jährigem Schlaf er-wachten, war das Christentum offiziell anerkannt, und Kaiser Tbeodosius II. verkündete, sie seien auferstanden. Mehrere hundert Gräber aus der Zeit vor dem 5. Jh., darunter auch das der Siebenschläfer, und eine Kirche wur-den in der Höhle ausgegraben.
Nach Ansicht vieler Theologen un-terscheidet sich die Auffassung Paulus' vom Christentum (völlige Loslösung von den jüdischen Wurzeln) deutlich von der des Johannes. Paulus von Tar-sus war römischer Bürger und benjami-nitischer Jude, der Jesus nie kennen-lernte. Bis zu der Vision auf der Straße
nach Damaskus (Apostelgeschichte 9, 1-9) verfolgte er selbst Christen. Einige Forscher nehmen an, daß Jo-hannes und Maria aus Jerusalem flohen, um der Verfolgung zu entgehen. Falls, wie Professor Brownlee behauptet, der heilige Johannes tatsächlich Lazarus von Bethanien gewesen sein sollte, dann war die Flucht auch dringend ge-boten, denn im Johannesevangelium (12,9-11) wirderzählt,daßdieHohen-priester Lazarus töten wollten. In Ephesos herrschte Religionsfreiheit, und die christliche Gemeinde wurde immer größer, so daß es eine sichere Zufluchtsstätte für Verfolgte gewesen wäre. Sowohl Maria als auch der Apo-stel Johannes sollen hier bis zu ihrem Tode gelebt haben.
Paulus' berühmter Streit mit den Ephesern wegen ihrer Treue zu Artemis und ihren pantheistischen Glaubensvorstellungen ist einer von zahlreichen die
Konflikten, die schließlich mit seiner
Gefangennahme bei Rom im Jahre tür
64 n.Chr. endeten. Um diese Zeit wurde Johannes das Oberhaupt der Kirche von
von Ephesos. Vermutlich liegt er unter
der Kirche begraben, die heute seinen Namen trägt. Im 4. Jh., als die Basilika errichtet wurde, war der Glanz des rö-mischen Ephesos dahin. Der Hafen war verlandet. Ein großer Teil des Marmors, derfür den Turm und die Mauern um die Johannesbasilika in Sel~uk (um 550 n. Chr. vollendet) verwendet wur-de, stammt aus dem Stadion, wo einst Christen gequält wurden.

Der Artemis-Kult: Man nimmt an, daß die Artemisreligion aus der Verehrung der Muttergöttin und dem Fruchtbar-keitskult stammt, dem auch die vielen Kybele-Statuen in der gesamten Türkei zuzuordnen sind. In der Steinzeitsied-lung Çatal Hüyük (nahe bei Ankara) hat man 9000 Jahre alte Figu-ren gefunden. Obwohl Artemis als Mut-ter aller Lebewesen galt, hat ihr Vorbild
doch seine Ursprunge in Jäger und Sammlerkulturen, die sich von Tieren ernährten. Vielleicht verkörpern jene über 13000 Jahre alten Frauendarstellungen, die man in Höhlen in Europa und Asien entdeckt hat, den Prototyp solcher Muttergottheiten. Das älteste Zeugnis des Kybele-Artemis-Kults in Ephesos ist eine einfache Holzstatue. Die beiden gut erhaltenen Arte-mis-Statuen im Ephesos-Museum von Selçuk zeigen, welche Bedeutung diese Muttergottheit einst besaß. Die Große Artemis (mit der Krone am westlichen Ende der Halle) und die Schöne Arte-mis sind von der Hüfte bis zu den Zehen mit Blumen und Tieren bedeckt. Auch die kopflose Artemis-Statue trägt Bie-nen und Blumen. Der Schmuck an den Kultbildern weist darauf hin, daß Arte-mis als Herrin der Tiere verehrt wurde. Sie war ihre oberste Hüterin und Perso-nifikation der Harmonie der Natur. Durch die Verehrung dieser Göttin zeigten die Epheser, daß das harmoni-sche Zusammenleben mit der Natur ihr zentrales Anliegen war.
Man hat häufig behauptet, die Sozial-struktur der Bienen habe Modell ge-standen für die religiöse Hierarchie in-nerhalb des Artemis-Kultes. Die Bie-nenkönigin pflanzt die Art fort und wird dafür von den anderen versorgt. In Ephesos standen Hunderte von Prie-stern und Priesterinnen im Dienst der Artemis. Der oberste Priester, der Me-gaysos, nahm Geschenke für den Schatz des Tempels an und verlieh aus diesem Schatz auch Geld. Vor dem Amtsantritt wurden ihm und den ande-ren Priestern zur Erhaltung der Keusch-heit die Fortpfianzungsorgane entfernt. Die Priesterinnen, die dein Megaysos zur Seite standen, waren Jungfrauen, die der Artemis geweiht waren.
Keuschheit, Fruchtbarkeit und Fort-pflanzung sind Schlüsselbegriffe des Artemiskultes. An den Brüsten der bei-den Artemis-Statuen sind Stierhoden als Symbole der Fruchtbarkeit befe-stigt, die man der Göttin auch opferte. Sie wurden lange für Eier gehalten.
Der Halsschmuck der Schönen Arte-mis setzt sich aus den Tierkreiszeichen zusammen und verweist darauf, daß sie die Verkörperung des Lebens und des Kosmos ist. Ihre lebenserhaltende Kraft zeigt sich auch darin, daß Verbrechern im Tempelbezirk Asyl gewährt wurde. Obwohl diese bedingungslose Liebe
vielen Ephesern ein Dorn im Auge war, lehnte noch Kaiser Tiberius im Jahr 22 n. Chr. ihre Forderung nach Ab-schaffung dieses Rechts ab. Es gehörte wohl zum Bild der Großen Mutter, daß sie alle ihre Kinder liebte.
Der erste Tempel der Artemis wurde vermutlich von den Kimmeriern zer-stört, die Ephesos im 7. Jh. v. Chr. an-griffen. Die ältesten Kunstwerke des Tempels aus dem 8. Jh. v. Chr. sind heute im British Museum ausgestellt.
Zwischen 550 und 460 v. Chr. wurde der erste große Tempel für diese Köni-gin des Himmels und der Erde erbaut. Es war ein prachtvoller Bau. 127 ioni-sche Säulen, jede davon 9 m hoch, tru-gen ein Dach, das einen 155 auf 55 m großen Innenhof bedeckte. Auf allen vier Seiten des Tempels standen die Säulen zweireihig. Dieser Artemis-Tempel, dessen Lage der britische In-genieur John Wood 1869 zum ersten Mal genau bestimmt hat, war noch ein-drucksvoller als der Tempel der Hera auf Samos und viermal so groß wie der pi Parthenon in Athen.

Als der Priester Herostrat den Tempel niedergebrannt hatte, angeblich in der Nacht, als Alexander geboren wurde, im Jahre 356 v. Chr., erbaute man zwi-schen 350 und 250 v. Chr. das zweite große Artemision. Es glich dem ersten, abgesehen von einem 3 m hohen Sok-kel, auf den 13 Stufen führten und galt als eines der Sieben Weltwunder. Zu diesen zählen die Agyptischen Pyrami-den, der Koloß von Rhodos, die Zeus-Statue in Olympia, die Hängenden Gär-ten von Babylon, der Leuchtturm von Alexandria und das Mausoleum von Halikarnassos.
Noch einmal, nach der Zerstörung durch die Goten in den Jahren 125 und 262 n. Chr. wurde der Tempel wieder aufgebaut. Mit dem wachsenden Ein-fluß des Christentums sank die Bedeu-tung des Artemis-Kults, der aber mögli-cherweise die Marienverehrung beein-flußt hat. Marmor vom Artemision wur-de beim Bau der Hagia Sophia (der großen Aya Sofya-Basilika in Istanbul)
n und für die Johannesbasilika in Sel~uk verwendet. Heute sind vom einstigen
Weltwunder nur noch die Fundamente und eine Säule übrig.

Uberreste der Hafenstadt: Lysimachos hat die Festungsmauer und das erste Magnesische Tor im 3. Jh. v. Chr. ge-baut. Um die hellenistische Qualitätsar-beit an der Mauer besser bewundern zu können, sollte man auf den Berg stei-gen, wo die Stadtmauer noch gut erhal-ten ist. Wenn man heute durch das Magnesische Tor geht und sich nach Norden wendet, gelangt man zu den Uberresten des Ostgymnasiums, das aus dem 2. Jh. stammt. Gleich östlich vom Odeon liegt das Variusbad und in südlicher Richtung sehen Sie die Rui-nen der Agora, des Staatsmarkts, und der Basilika.
Ein rechteckiger Tempel, gebaut etwa 25 v. Chr., stand mitten auf der Agora. Das Giebelfeld dieses Kaiser-Augustus-Tempeis ist jetzt im Innen-hof des Ephesos-Museums von Selcuk zu bewundern. Es erzählt eine homeri-sche Legende: Drei Freunde des Odys-seus versuchen, den Zyklopen Poly-phem zu blenden, nachdem Odysseus ihn mit Wein betrunken gemacht hat. In der 160 m langen, aber schmalen Halle standen einst die Statuen von Augustus und seiner Frau, die jetzt im Ephesos-Museum aufbewahrt werden. Westlich des Tempels lag das Prytaneion, wo die ewige Flamme brannte und wo man die beiden berühmten Artemis-Statuen gefunden hat.
Das kleine Theater oder Odeon hatte 1400 Sitze. Es wurde 150 n. Chr. von reichen Ephesern errichtet. Außer für Konzerte diente es in erster Linie als Versammlungsort für die Bule. Die Volksversammlung, der Demos, trat in dem gut erhaltenen, großen Theater mit 24 000 Sitzen zusammen, wo heute moderne Folklore und Schauspiele auf-führt werden.
In Richtung Westen entlang der Kureten-Straße kommt man nördlich des Domitiansplatzes am Memmius-Denkmal vorbei, das im 1. Jh. v. Chr. als Ehrenmal für römische Militär-kommandanten errichtet wurde. Der Tempel, der Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.) gewidmet ist, wurde noch kaum restauriert. Ostlich der Treppen steht eine zweireihige Reliefsäule. Direkt dahinter, in der Galerie der Inschrif-ten, sind in Stein gemeißelte Verlautba-rungen, die man in Ephesos gefunden hat, zusammen mit Dokumenten zur Stadtgeschichte ausgestellt.
Etwa lOOm hinter dem Herkules-Tor, das den Anfang der Kureten-Stra-ße markiert, zwischen dem Trajans-brunnen und dem Tempel des Hadrian, liegen die Scholasticia-Thermen. Die-se beheizten Bäder wurden im 1. Jh. eingerichtet und bis zum 4. Jh. immer wieder repariert. An die letzte Bürgern, die für die Wiederherstellung der Bäder sorgte, die Chiistin Scholasticia, erin-nert eine Statue. Wie in allen römischen Bädern gab es verschiedene Räume mit heißem, lauwarmem und kaltem Was-ser. Im Fußboden zirkulierte heiße Luft durch Tonröhren, und die Wasserhähne lieferten heißes und kaltes Wasser.

An die Bäder grenzt ein Haus mit einem Säulenhof, einem sogenannten
Peristyl, das einst ein Bordell war. Die Prostitution war also auch in Ephesos durchaus verbreitet. Vom oberen Stockwerk des Hauses kann man nur noch Reste eines Freskos erkennen. Im Speisesaal sind auf einem Mosaik die vier Jahreszeiten dargestellt, und ein einfaches Mosaik in dem Becken dane-ben zeigt drei Mädchen, eine Dienerin, eine Katze und eine Maus, die Krumen verzehrt. In diesem Haus hat man auch die kleine Bronzefigur des Priapos gefunden. Der Gott mit dem übergro-ßen Phallus ist nun im Ephesos-Mu-seum zu besichtigen.
Westlich von den Bädern war die Latrine, die öffentliche Toilette, unter-gebracht. Der Westeingang des Bades ist gleich auf der anderen Straßenseite, und rechts davon sieht man etwas ver-steckt ein 50 cm hohes Relief der Arte-mis. Sie ist hier mit einem Tierkopf dargestellt, der nach rechts blickt in der rechten Hand hält sie einen Stab.
Der herrliche Tempel des Hadrian wurde 138 n. Chr. zu Ehren von Kaiser Hadrian fertiggestellt. Hinter den vier Sockeln, die einst Statuen von römi-schen Kaisern trugen, erheben sich vier
korinthische Säulen. Ein reich ge-schmückter Bogen krönt die beiden mittleren. Er zeigt das Gesicht der Tyche, der Glücksgöttin, das Pendant der römischen Fortuna. Hinter dem Mittelraum über der Tür ist auf einem halbkreisförmigen Stirnbogen ein bar-busiges Mädchen inmitten von Blumen und Blättern dargestellt.
Auf der Südseite der Kureten-Straße hat man am Abhang des Bübül Dagi (Nachtigallenberg) einige elegante Bürgerhäuser ausgegraben. Die drei-stöckigen Bauten mit Innenhöfen und Mosaikfußböden besaßen bereits flie-ßendes Wasser und Heizungen, und die Wände waren mit Fresken geschmückt. Ursprünglich zur Zeit des Augustus er-baut, erlebten die Häuser bis zum Ende des 7. Jh. mehrere Umgestaltungen. Zwei dieser Häuser wurden restauriert; um sie zu besichtigen, steigt man die Stufen hinauf, die gleich auf der ande-ren Straßenseite gegenüber vom Hadrian-Tempel nach oben führen.

Kultur und Kommerz: Ganz am Ende der Kureten-Straße liegt die wohl wich-
tigste Sehenswürdigkeit von Ephesos, die zweistöckige Celsus-Bibliothek.
Weil sie zwischen zwei bereits vorhan-dene Gebäude eingefügt werden mußte, hat man das Haus so klug entworfen, daß es größer wirkt, als es tatsächlich ist. Als Tiberius Julius Celsus, ein be-rtihmter Statthalter der römischen Pro-vinz Asia, 114 n. Chr. starb, ließ sein Sohn diese Bibliothek als Denkmal und Mausoleum erbauen. Celsus lag in ei-nem reich dekorierten Marmorsarg be-graben, den man unter einer der Biblio-theksmauern gefunden hat. Die Tugen-den des Celsus verkörpert der Statuen-schmuck an der Fassade. Das geräumi-ge Innere der Bibliothek enthielt 12 000 Schriftrollen, die vor der Feuchtigkeit geschützt in Nischen lagerten. Acht ko-rinthische Säulen auf Postamenten tra-gen prächtige Stirubögen.
An der Nordseite der Celsus-Biblio-thek steht das Mazaeus-Mithridates-Tor, das auf die Agora führt. Seine drei Durchgänge und der geschmückte Fries erinnern an einen römischen Triumphbogen. Nach ihrer Freilassung haben
zwei ehemalige Sklaven, Mazaeus und Mithridates, dieses Tor zu Ehren von Kaiser Augustus, ihres früheren Herrn, erbaut. Neben den Bronzeinschriften für den Kaiser und dessen Familie steht die strenge Warnung: ,,Wer hier uri-niert, wird angeklagt!" Sie sollte die Epheser zur Ehrerbietung gegenüber ihrem Hauptplatz, der Agora, aufrufen.
Die Agora war das Einkaufs- und Geschäftszentrum von Ephesos. Hier boten Händler Parfüm aus der Umge-bung an; außerdem verkaufte man ara-bische Kräuter, anatolischen Wein, Schmuck, Lebensmittel, Tonwaren und Kunstgegenstände aus Bronze und Kupfer. Manch schöne Sklavin erhielt hier einen neuen Herrn. Heute erinnern noch die Säulen am Rande des großen Versammlungs- und Marktplatzes an den einst so regen und blühenden Aus-tausch von Waren und Ideen.
Der Serapistempel steht am Ende einer mit Marmor gepflasterten Straße, die an der südwestlichen Ecke der Ago-ra beginnt. Dieser Tempel aus dem zweiten Jahrhundert war dem ägyptischen Gott der Unterwelt geweiht. Acht massive Marmorsäulen - jede wiegt 57 Tonnen - liegen vor den Ruinen des Tempels. Nach der persischen Erobe-rung im Jahr 547 v. Chr. muß ein reger Seehandel zwischen Alexandria und Ephesus stattgefunden haben. Zahlrei-che ägyptische Statuen und ein in Mar-mor gemeißelter Friedensvertrag bestä-tigen diese Beziehung zwischen Ephe-SOS und Agypten, die schließlich im Jahr 299 v. Chr. durch eine königliche Heirat zwischen Lysimachos und der ägyptischen Prinzessin Arsinoe gefe-stigt wurde.
Von der Celsus-Bibliothek aus führt die heilige oder Marmor-Straße zum Theater. Dieser gut erhaltene Bau wur-de unter Lysimachos in den Westhang des Pion-Berges gebaut und faßte 24 000 Besucher. Theater war eine gleichsam religiöse Veranstaltung, die Dionysos geweiht war, dem Gott des
Weines und des Vergnügens. Gebete ~j und Tieropfer gingen den Aufführun-gen voran, die von maskierten männli-chen Schauspielern geboten wurden.
Die Römer vergrößerten dann das Theater, das auch Schauplatz der pro-vozierenden Predigt des heiligen Pau-lus war - eine Herausforderung an die Anhänger des Artemiskultes. Die Sil-berschmiede von Ephesos, deren Ein-kommen vom Verkauf silbemer Dar-stellungen der Artemis und ihres Tem-pels abhing, demonstrierten im Theater gegen die Verurteilung des Kultes durch die Christen (Apostelgeschichte 19,24-41). Noch heute begeistern die ausgezeichnete Akustik und hervorra-gende Künstler beim Ephesos-Festival im Frühjahr ein großes Publikum. Von den oberen Reihen hat man einen wei-ten Blick über die Arkadiane, die Prachtstraße, die zum alten Hafen führt.
Die breite Hafenstraße bezeugt die Größe der Stadt im 1. Jh. v. Chr. Alle fremden Würdenträger mußten nach ihrer Ankunft im Hafen 500 m weit über diese marmorgeptiasterte Arka-denstraße marschieren, an der öffentli-che Gebäude mit Statuen und Säulen-gängen standen. Eine vor kurzem aus-gegrabene Inschrift bestätigt, daß an den Säulengängen auf beiden Seiten der Straße 50 Lampen hingen, zu einer Zeit, als außer Ephesos nur Antiochia und Rom künstlich beleuchtet waren. Zwischen dem Theater und dem alten Hafen wurden im 5. ih. auf Säulen, deren Sok-kel heute noch sichtbar sind, Statuen der vier Evangelisten aufgestellt. An der Nordseite der Straße liegen die Ruinen des Theatergymnasiums, der Verula-nus-Sporthallen, der Hafenthermen und der Marienkirche.

Glaubenskämpte: Nördlich der Hafen-thermen und in der Nähe der Marienkir-che, dem ersten Gotteshaus, das je der Jungfrau Maria geweiht worden ist, be-findet sich eine große, lange Ruine. Hier erklärte im Jahre 431 n. Chr. ein Konzil, daß Jesus auch zu Lebzeiten auf Erden Gott und Maria somit eine Gottesgebärerin gewesen sei. Es brand-markte somit Nestor, den Bischof von Antiochien, wegen seiner Meinung, Je-sus sei auch Mensch gewesen. Im 4. Jh. erst hatte man eine Schule zu die-ser Kirche umfunktioniert. Nach zwei weiteren Umbauten entstand dann ein seltsam enges, langes Gebäude. Nahe der nördlichen Apsis steht das große Taufbecken, wo die Gläubigen unterge-taucht und getauft wurden. Es stand einst im Innern einer runden Taufkirche mit einem Kuppeldach.
Die Johannesbasilika, eine riesige Kirche, die im Inneren ganz mit Mar-mor verkleidet ist, ließ Kaiser Justinian errichten, der von 527 bis 565 n. Chr. regierte. Sie liegt direkt neben der seldschukischen Zitadelle auf einem ehemals abfallenden Areal, das wegen des Vorhofs künstlich begradigt wer-den mußte. Noch vor dem Bau der Kir-che stand hier ein Baptisterium mit ei-nem runden Taufbecken, das einen Marmorboden und eine Kuppel mit Verzierungen aus Glasmosaiken besaß.
Das mutmaßliche Grab des heiligen Johannes findet man am östlichen
Ende der Basilika. Die Grabplatte liegt Da~ tiefer als der Fußboden; sie ist von re- in staurierten Marmormosaiken ge- Jun schmückt und trug früher ebenfalls eine Ma kleine Kuppel. Lange war diese Kirche ge~ eine Pilgerstätte für Kranke, die glaub- ten, der Staub aus der Grabkammer würde heilende Wunder bewirken.

Eroberung durch die Türken: Die
Festungsmauer um die Kirche wurde im 7. und 8. Jh. zum Schutz vor arabischen Angriffen erbaut. Am Haupteingang legte man nach dem Vorbild einer anti-ken griechischen Verteidigungsstrate-gie das Tor der Verfolgung und den dazugehörigen Innenhof an. Wenn der Feind durch das Tor eingedrungen war, saß er in der Falle, denn der Hof hatte keinen Ausgang. So konnten die Ein-dringlinge von den Hofmauern aus ver-nichtet werden.
Als 1304 die Türken hier anrückten, war Ephesos nur noch eine kleine by-zantinische Stadt, die leicht zu erobern war. Die erstaunlich kahle Isa-Bey-Moschee nimmt eine große Fläche am westlichen Fuß des Ayasduk-Hügels ein, auf dem auch die Johannesbasilika steht. Sie wurde um 1375 für den seldschukischen Sultan Isa Bey von dem Architekten Ah Damessene ge-baut. Später stürzte sie bei einem Erdbe-ben ein. Kurze Zeit nach der Ubernah-me durch die Osmanen im Jahr 1426 war Ephesos völlig verlassen. Die wie-der aufgebaute Moschee mit ihren zwei Kuppeln hat drei Räume, und über dem Haupteingang sieht man noch immer eines der drei Minarette. Der große Innenhof ist von hohen Mauern umge-ben, die zum Teil aus dem Marmor der Stadt Ephesos errichtet wurden.
Herrliche Ausblicke machen den 7,5 km langen Weg vom Magnesischen Tor hinunter zu den Souvenirläden und Restaurants am Hafen, wo einst der heilige Johannes und Maria anlandeten, zu einem Höhepunkt der Besichti-gungstour. Der visionäre Traum der deutschen Nonne Katharina Emmerich hat die Suche nach dem Haus der Jungfrau Maria nach sich gezogen, in dem Maria von 37 bis 48 n. Chr. gelebt haben soll. 1891 wurde ein Suchtrupp der Lazaristenmönche in einem Pinien-wald neben einer ayzama, einer heili-gen Quelle, fündig. Seit seiner Restau-rierung 1951 ist dieses Haus, das heute eine Kapelle ist, von zwei Päpsten und Millionen von christlichen und mosle-mischen Pilgern besucht worden.
Der Vatikan und die orthodoxe Kir-che haben das Gebäude als die letzte Wohnstatt der heiligen Maria aner-kannt. Die heilige Maria wird auch von den Moslems verehrt. Papst Johannes Paul II. hielt in der Kapelle eine Messe, als er 1979 die Türkei besuchte, um in Istanbul mit Vertretern der orthodoxen Kirche zu sprechen.
Jedes Jahr betreten mehrere tausend Pilger die Kapelle mit der Marienikone. Nachdem sie vom Wasser der heiligen Quelle getrunken haben, beten die Gläubigen an einer nahen Mauer. Die Chroniken verzeichnen viele Wunder, darunter die Heilung von Invaliden, die die Kapelle auf Krücken betreten und sie ohne Hilfe wieder verlassen haben.
Seit Papst Benedikt XIV. wird jedes Jahr am 15. August, dem Feiertag der Himmelfahrt Marias, eine Messe in der überraschend bescheidenen Steinka-pelle gefeiert. Sicher reicht die halbe Stunde, die einem die Taxifahrer aus Sel9uk zum Besuch dieses Ortes zubil-ligen, nicht aus, die heitere Ruhe dieser Pilgerstätte wirklich zu genießen.