Rundgang durch Ephesos

 

Home

Einleitung

Rundgang

Geschichte

Panorama

Photo-galerie

Antike Umgebung

Impressum

 
    [Artemision]   [Haus der Mutter Maria]



BESICHTIGUNG DER RUINEN.
Vom Hauptplatz in Selçuk, über den die Straße von Izmir nach Aydin führt (an der Südostseite des Platzes eine seldschukische Moschee), zunächst in südwestlicher Richtung an einem byzantinischen Aquädukt entlang.
Nach etwa 200 m rechts ab zur Zitadelle. Durch das im 7. Jahrhundert n.Chr. aus älte-ren Werkstücken errichtete Byzantinische Tor, nach einer Reliefdarstellung (Achilles schleift den toten Hektor hinter sich her) auch Tor der Verfolgung genannt, gelangt man in den unteren Festungsbezirk. Das von zwei massigen Rechtecktürmen flankierte Festungstor hat ebenfalls zwei hintereinander liegende Bogenöffnungen. Hinter dem Tor links ein hübscher Ausblick auf die Ebene des Küçük Menderes.

 
Klick zu vergrößern
Nach wenigen Schritten erreicht man die Reste der Basilika des hl. Johannes, die nahezu die ganze Breite des Hügelrückens einnahm und einst neben der Hagia Sophia und der zerstörten Apostelkirche in Konstantinopel zu den größten byzantinischen Kirchen zählte. Nach der Überlieferung soll unter der Basilika das Grab des hl. Johannes des Theologen liegen. Über der Stelle des Grabes wurde zunächst ein Mausoleum in Form eines von 4 Säulen getragenen Kreuzgewölbes errichtet, das später durch ein dreischiffiges Langhaus, ein Querschiff und einen fünfschiffigen Chorbau zu einer mit einem höl-zernen Dach gedeckten Basilika umgebaut wurde. Kaiser Justinian (527 - 565 n.Chr.) ersetzte diese Kirche durch den monumentalen Steinbau einer dreischiffigen Basilika, welche die Form eines lateinischen Kreuzes hatte und von 6 Kuppeln (4 über dem Lang-haus und je eine über den Flügeln des Querschiffes) überwölbt wurde. Zusammen mit dem der Westseite vorgelagerten Narthex und dem Säulenarkadenhof hatte diese Kirche eine Länge von 130 m und eine Breite von 40 m. Im Innern lagen über den Seiten-schiffen Emporen, die über die Querschiffe hinaus bis zur Chorapsis durchliefen. Die Stätte des Heiligengrabes war durch eine zweistufige Marmorplatte gekennzeichnet, die nach Osten hin durch eine Apsis mit den Presbytersitzen abgeschlossen war. Von hier führte eine Treppe zum Grab hinab. Die Seldschuken bauten nach der Eroberung von Ephesus die Basilika 1330 zu einer Mo-schee um. Später diente sie als Basar, bis dann ein Erdbeben das Gebäude zerstörte (z.T. wiederhergestellt).


 
Nördlich über der Johannes-Basilika, auf der Spitze des Hügels die noch wohlerhaltene Zitadelle, über deren Baudatum keine schriftlichen Quellen existieren. Doch kann aus der Art des Mauerwerks geschlossen werden, daß die Festung noch in byzantinischer Zeit errichtet und dann von den Seldschuken weiter ausgebaut wurde. Die mächtige Umfassungsmauer hatte 15 meist recht-eckige Wehrtürme. Um Mauer und Türme läuft ein geschlossener Zinnenkranz. Wahr-scheinlich bestand nur ein einziger Zugang. Im Innern befinden sich mehrere Zisternen, eine kleine Moschee aus seldschukischer Zeit und eine byzantinische Kirche.

Am Südwesthang des Zitadellenhügels er-hebt sich die aus seldschukischer Zeit stammende Große Moschee (auch Isa-Bey- oder Selim-Moschee). Das 57 x 51 m messende hohe Mauerrechteck umschließt einen großen Arkadenhof mit dem Brunnen für rituelle Waschungen und dem eigentlichen Bet-raum. Dieser war in seinem zentralen Teil durch zwei säulengestützte Kuppeln überwölbt, während die beiden Seitenflügel fla-che Holzdächer trugen. Die großen schwarzen Granitsäulen stammen von den römi-schen Thermen am Hafen. Die Verbindung zum Arkadenhof wird durch drei Säulenbögen und zwei Nebeneingänge hergestellt. Uber der außen mit Marmor verkleideten westlichen Moscheemauer steigt ein rundes Minarett bis zur Höhe des Umganges für den Muezzin auf. Das entsprechende Minarett an der östlichen Mauer ist dagegen völlig zer-stört. Die hohen Rechteckfenster haben ver-schieden gearbeitete Zierrahmen. Ober dem mit Inkrustationen reich geschmückten Portal ist eine kunstvoll gearbeitete Inschrift zu erkennen: ,,Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmenden! Es befahl die Errichtung dieser gesegneten Moschee der glorreiche Sultan, der Machthaber über die Nacken der Völker und der Gläubigen, der Glaubensheld Isa, Sohn des Mohammed, Sohn des Aydin, dessen Herrschaft Gott lange dauern lassen möge. Erbaut von dem Baumeister Ah, dem Sohne des Muschimisch Ah Damischki, und von ihm geschrieben am 9. des Monats Schaban zu Neumond des Jahres 776" (30. 1. 1375).

In der Umgebung der Großen Moschee standen in seldschukischer Zeit noch 14 kleine Moscheen. Diese in der Regel quadratischen Kuppelbauten sind in mehr oder weniger gu-tem Zustand z.T. heute noch erhalten.

Etwa 300m südlich unterhalb der Großen Moschee, vom Hauptplatz in Selçuk halbrechts in Richtung Ephesus (am Archäologischen Museum vorüber; rechts; u.a. drei Ar-temisstatuen), erreicht man die rechts in ei-ner flachen sumpfigen Mulde gelegenen ge-ringen Reste des Artemiseion, des Tempels der Artemis, der einst als eines der sieben Weltwunder galt.

BAUGESCHICHTE.
Die Durchforschung des von dem Engländer J.T. Wood und dem Britischen Museum ausgegrabenen Tempels zeigte, daß an seiner Stelle ursprünglich eine steinerne Plattform bestand, unter der vermutlich die Weihgeschenke aufbewahrt wurden, während auf der Plattform selbst das Kultbild stand. Etwas westlich davon war eine zweite Plattform. In einer weiteren Bauphase wurden beide Plattformen miteinander verbunden und später mit einer 16x31 m großen Cella überbaut. Von einem Säulenumbau ist nichts bekannt. Im 6. Jahrhundert v.Chr. entstand schließlich der große Marmortempei. Der 109 m lange und 55 m breite Dipteros hatte in seinen beiden umlaufenden Säulenreihen 8x20 und 6x18 Säulen, weiterhin im Vorraum (Pronaos) 2x4 und in der rückwärtigen Vorhahle (Opistodomos) 2x2 sowie in der dreischiffigen Cehla 2 x 9 + 1 Säulen. Von diesen trugen 36 Säulen an der unteren Schafttrommel einen Reliefschmuck. Beim Wiederaufbau des von Herostra-tos <um seinen Namen zu verewigen) im Jahre 356 v. Chr. angezündeten Tempels wurde zunächst das Fundament um 2,7 m erhöht. Sonst hielt man sich genau an die Abmessungen und die Form das zerstörten Tempels. Die zweite Zerstörung des riesigen Bauwerks begann mit einem Überfall der Goten auf Ephesus um 260 n.Chr. In byzantinischer Zeit verfiel es völlig und wurde als Steinbruch be-nutzt. Säulen und Marmorplatten befinden sich u.a. in der Sophienkirche in Istanbul. 1965 fand man das Fundament des Altars (30X40 m).

Vom Artemiseion führt die Straße westlich weiter. - Nach 1,5 km (2 km vom Hauptplatz in Sel9uk) biegt man bei einer Tankstelle und einem Motel links ab (geradeaus nach Kus-adasi und Söke) und erreichtnach 200 m die bedeutende RUINENSTÄTTE der neuen Stadt EPHESOS, die von Lysimachos im 3. Jahrhundert v. Chr. hierher verlegt wurde (Eintrittsgebühr 2001 = 7 Mio.TL 10,-DM). Gleich links am Hang das Vedius-Gymnasion (2.Jh. n.Chr.), dessen Reste ein in zahlreiche Räume aufgelöstes großes rechteckiges Gebäude mit einem öst-lich vorgelagerten Säulenarkadenhof (Palä-stra) erkennen lassen. Die relativ besser er-haltene östliche Hälfte des Bauwerks, dessen Ziegelmauern mit Marmorplatten verkleidet waren, zeigt interessante Details der Innen-ausstattung. 100 m südlich des Vedius-Gymnasions erkennt man das unter Kaiser Nero (54 - 68 n.Chr.) erbaute Stadion, dessen südliche Zuschauerränge in den Hang hin-eingegraben waren. Die Steinstufen sind nicht mehr vorhanden. In der großen Ostkurve lag eine gegen die Stadiongeraden abschließbare Arena, die in Ermangelung eines Zirkusses bei Gladiatorenkämpfen und Tierkämpfen benützt wurde. Zwischen dem Vedius-Gymnasion und dem Stadion verlief einst die Marmorstraße östlich zu dem heute nur noch in Ruinenresten erhaltenen Koressos-Tor, von dem eine Straße südlich zum Berg Koressos (Bülbül Dagi) führt. An der westlichen Biegung der Marmorstraße (50 m westl. vom Stadion) stand auf dem kleinen Hügel der sogenannten Akropolis innerhalb eines quadratischen Säulenhofes ein Rund-bau unbekannter Zweckbestimmung. Von der ganzen Anlage sind heute nur noch eine Eckbasis und einige Gesimssteine vorhanden. Die Überlieferung sowie Scherbenfunde auf dem Hügel machen es wahrscheinlich, daß dieser bereits in altionischer Zeit besiedelt war.

Vom Stadion führt die am Koressos-Tor beginnende und nach einem großen Bogen am Magnesischen Tor endende Marmorstra-ße, eine z.T. mit Bildwerken geschmückte Säulenarkadenstraße, in deren Mitte man noch die Abflußöffnungen für die Kanalisa-tion erkennt, südlich zum Großen Theater.

Wenn man vom Vedius-Gymnasium der durch das Ausgrabungsgelände angelegten Straße nach Süden folgt, erblickt man nach knapp 200 m rechts die Ruine eines byzanti-nischen Bades (beachtenswert der große Konchensaal an der Südseite und die 50 m lange Apsidenhalle an der Westseite). 100 m westlich abseits das 260 m lange Rui-nenfeld der sogenannten Kirche der Maria oder Konzilskirche. Das als Doppelkirche gedeutete Bauwerk, in dem 431 das Konzil stattfand, war ursprünglich eine dreischiffige Halle des 2. Jahrhunderts n.Chr. (Museion, d.h. Forschungsstätte), in die im 4. Jahrhun-dert eine Säulenbasilika eingebautwurde. An der westlichen Seite lag ein langgestreckter Hof. Der östliche Teil der antiken Halle scheint als Bischofssitz gedient zu haben. Im 7. Jahrhundert wurde die Basilika durch eine Kuppelkirche ersetzt, der nach ihrem Einsturz eine Pfeilerbasilika vorgebaut wurde. Auf der neuen Straße gelangt man 300 m wei-ter südlich zu dem in der römischen Kaiserzeit errichteten Theater-Gymnasien, das aus einem mächtigen rechteckigen Bau und ei-nem nördlich vorgelagerten Säulenarkaden-hof (70 x 30 m) bestand. Südöstlich darüber, an der Marmorstraße, das Große Theater.

Westlich schließt sich an das Theater-Gym-nasion das ziemlich unübersichtliche Rulinenfeld einer zusammengehörenden Gebäudegruppe an. Zunächst der Verula-nus-Platz, ein 200 x 240 m großer, als Sportanlage dienender Säulenarkadenhof, dem westlich das aus der frühen römischen Kaiserzeit stammende Hafen-Gymnasien ange-gliedert war. Dieses bestand aus mehreren Gebäuden, die sich rings um einen großen zentralen Hof gruppierten. An der Nord- und Südseite des Hofes lagen je ein Marmorsaal von 16x32 m, deren Innenwände mit Säulenstellungen und Statuennischen prächtig ausgestattet waren. Westlich an das Hafen--Gymnasion schlossen sich die Großen Thermen (Hafenthermen) an, von denen bis-her nur ein Raum ausgegraben ist. Die Ther-men wurden im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaut und unter Konstantin dem Großen im 4. Jahrhundert prunkvoll erneuert. - An die Thermen grenzte im Westen der Hafen von Ephesus, dessen Stelle heute ein mit Schilf bedeckter Sumpf einnimmt. - Unmittelbar südlich dieser einst den Stadtmittelpunkt bildenden Gebäudegruppe verlief die um 400 n. Chr. von dem ersten oströmischen Kaiser Arkadios erbaute Arkadiane, eine vom Ha-fen in östlicher Richtung führende vorneh-me, nachts beleuchtete Arkadenstraße, die zur Steigerung ihrer architektonischen Wir-kung an ihren beiden Enden durch reichge-gliederte Prunktore abgeschlossen war. - Die Arkadiane mündete im Osten auf einen lang-gestreckten Platz, der an der schmalen Nord-seite von dem Theater-Gymnasion, im Osten von dem an der Panayir Dagi sich anlehnenden Großen Theater und im Süden von der großen Agora begrenzt wird (Verkaufsstän-de).

Das unter Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.) begonnene und unter Trajan (98-117) vollendete Große Theater beeindruckt vor allem durch seine großen Abmessungen und den im Vergleich zu den übrigen Bauten von Ephesus guten Erhaltungszustand der Orchestra und des Bühnenhauses. Auf 3 x 22 Rängen, die durch 12 Treppenaufgänge und im oberen Drittel durch weitere 11 Zwischentreppen unterteilt waren, fanden ca. 25 000 Zuschauer Platz. An der Hangseite führten außerdem abgedeckte Treppenhäuser zu den oberen Rängen. Die Schauwand des ehemals dreistöckigen, 18 m hohen Bühnenhauses (nur das Erdgeschoß erhalten) hatte mit Säulenstellungen, Statu-ennischen und reich geschmückten Gesim-sen eine starke plastische Wirkung. In der westlichen Terrassenmauer ein in der Form eines Antentempeis errichtetes hellenisti-sches Brunnenhaus, das trotz seines ruinö-sen Bauzustandes durch die Schlichtheit und Klarheit seiner Anlage wirkt. im Großen Theater ereignete sich vielleicht der durch die Hetzrede des um den Absatz der von ihm gefertigten kleinen silbernen Diana-Tempel fürchtenden Goldschmieds Demetrius ver-anlaßte Auflauf der Epheser während des Aufenthaltes des Apostels Paulus (Apostel-gesch. 19, 23-40).

Südwestlich vom Großen Theater das große Mauergeviert der Agora, der sich nach We-sten eine Säulenhalllenstraße anschließt. Der erst teilweise ausgegrabene Marktplatz wurde im 3. Jahrhundert n.Ch. aus einer an dieser Stelle bereits bestehenden Anlage großzügig umgebaut, wobei durch die Ver-wendung von Werksteinen älterer Bauten in der Ausführung des Details eine bemerkens-werte Vielgestaltigkeit erreicht wurde. Die den großen quadratischen Platz (116 m Sei-tenlänge) umgebende zweischiffige Säulenarkadenhalle (für Geschäftsräume) hatte an der Ostseite ein zurückgesetztes Obergeschoß. An der Südostecke der Agora sind die noch bis 3 m aufragenden Mauern eines re-präsentativen Portals zu sehen. Das nach ei-ner Inschrift als Tor des Macaeus und des Mithridates bezeichnete Bauwerk besaß nach einer Rekonstruktion von W. Wilberg drei tiefeTorbögen. Die erwähnte Säulenhallenstraße (160 m lang) wurde an beiden Enden ebenfalls von repräsentativen Torbau-ten abgeschlossen. Besonders eindrucksvoll muß das zur Agora führende Portal ausgese-hen haben. Nach dem Rekonstruktionsver-such von H. Hörmann hatte es die Form einer breit gelagerten ionischen Säulenhalle. Die zu beiden Seiten vorspringenden Hallenflügel rahmten eine 11 m breite Treppe ein, über die man zur Agora weiterschritt. - An der Südseite der Säulenhallenstraße führte ein Treppenaufgang zu einem großen kolonna-dengesäumten Platz, der an seinem Südende von dem kolossalen Serapeion überragt wurde. Die Frontsäulen des nach Art eines Prostylos errichteten Tempels, der dem Kult des ägyptischen Gottes Serapis diente, be-standen aus 15 m hohen Monolithen mit ko-rinthischen Kapitellen. Durch die 29 m lange Front des Tempels führte ein gewaltiges Tor, dessen Türen auf Rädern liefen, in die Cella. In byzantinischer Zeit wurde der Tempel zu einer Basilika umgestaltet.
Von der Agorä gelangt man durch das Mithridates-Tor auf einen kleinen Platz, an dessen Westseite sich die Ruinen der Cel-sius-Bibliothek erheben. Die Rekonstruktion von W. Wilberg zeigte eine zweigeschossige Schaufassade mit verkröpften Säulenstel-lungen und wirkungsvoll hervortretenden Gesimsen. Der ganz mit buntem Marmor ge-täfelte große Bibliotheksraum war in drei Stockwerke unterteilt. Um die beiden unteren Stockwerke führten Säulengänge. Eine durchgehende Apsis in der rückwärtigen Wand barg die Fächer für die Pergamentbände und Schriftrollen. Unter der Apsis in einer Grabkammer der Sarkophag des Tibe-rius Julius Celsus (Stadthalter der Provinz Asia), dem zu Ehren sein Sohn Tiberius Julius Aquila zu Anfang des 2. Jahrhunderts n.Chr. das Gebäude errichtete (135 n.Chr. vollendet).

Südostlich der Agora verengt sich die Ebene zwischen dem Panayir Dagi und dem Bülbül Dagi zu einem Muldental, durch das einst die von zahlreichen öffentlichen Gebäuden ge-säumte Fortsetzung der vom Koressos-Tor kommenden Marmorstraße (Kureten -Straße) verlief. In späthellenistischer Zeit scheint dieser Straßenzug zum Kernbereich der Lysimachischen Stadt herangewachsen zu sein. - Unmittelbar bei dem Straßenknick südöstlich der Agora sind noch die Postamente des Propylalon, eines Torbaus aus dem 2. Jahrhundert n.Chr., zu sehen, durch den eine später als Treppenweg sich fortset-zende Straße südlich zum Bülbül Dagi hinan-führte. - Östlich dieses Torbaus stand ein vermutlich zweigeschossiges Nymphaion (Brunnenhaus), dessen Wände mit Halbsäu-len geschmückt waren. - An dieses Bauwerk schloß sich östlich das Oktogon an, ein mo-numentaler Grabbau, dessen Bezeichnung von dem über einen quadratischen Marmorsockel aufragenden achteckigen Überbau stammt, um den eine korinthische Säulenar-kade mit einer Sitzbank lief. Ein stufenförmig sich verjüngendes Dach schloß das Bauwerk ab. - An der gegenüberliegenden Straßen-seite liegt das Grabungsfeld der im 2. Jahr-hundert n.Chr. entstandenen und um 400 von einer Christin namens Scholastika erneuer-ten Scholastika-Thermen, eines ehemals mehrgeschossigen Badehauses. - Unmittelbar darüber erhebt sich am Südwesthang des Panayir Dagi auf quadratischem Sockel ein zweigeschossiger Rundbau, der in einem Untergeschoß von dorischen Halbsäulen und im oberen Stock von freistehenden ioni-schen Säulen umrahmt war. Vermutlich handelt es sich hier wie beim Oktogon um ein Heroengrab. Innerhalb der Scholastika-Thermen der von den österreichischen Ar-chäologen weitgehend rekonstruierte hüb-sche kleine Hadriantempel, der nach einer Inschrift dem Kaiser Hadrian (117 - 138 n.Chr.) geweiht war. Südostlich der Scholastika- Thermen ein Bereich, der heute als Standort des lange gesuchten Prytaneion (Rathaus) gedeutet wird (die hier gefundenen Artemis-statuen jetzt im Museum).-Südöstlich davon der Traiansbrunnen und anschließend das Halbrund des im 2. Jahrhundert n.Chr. von P. Vedius Andonius gestifteten Odeion, dessen untere Marmorstufen noch gut erhalten sind. Der insgesamt 1400 Besucher fassende Zu-schauerraum war durch einen Umgang in ei-nen unteren Block mit 13 Rängen und 6 Treppenaufgängen und einen oberen Block mit 10 Rängen und 7 Treppenwegen geglie-dert. Aus dem Fehlen eines Wasserabflusses in der Orchestra kann auf die Existenz eines Daches geschlossen werden, das vermutlich als Holzkonstru ktion den Zuschauerraum über eine Weite von 25 m überspannte.

Etwa 250 m westlich des Odeions liegen auf der gegenüberliegenden Hangseite die Rui-nen des stattlichen Domitiantempels, den die Provinz Asia für den Kaiser (81 - 96 n.Chr.) errichtet hatte. In den Kellergewölben wurden Marmorstücke einer überlebensgroßen Statue des Kaisers gefunden, die vermutlich nach der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion von ihrem Standort entfernt und dabei zerstört wurde. 150 m weiter westlich die Reste einer einst monumentalen Fontäne und eines Wasserschlosses, das die vom Hang herabfließenden Quellwässer sammelte. 150 m östlich davon der Sockel eines fälschlich als Grab des hl. Lukas be-zeichneten römischen Rundbaus, der in by-zantinischer Zeit durch Anfügung einer Apsis und einer Vorhalle zu einer Kirche umgestal-tet wurde.

Die Marmorstraße führt vom Odeion zu Thermen (links) und den Basisbauten eines repräsentativen Brunnens (rechts), der mit zahlreichen Statuennischen geschmückt war, und endet nach weiteren 200 m bei dem Magnesischen Tor, von dessen drei Durch-gängen die Straße nach Magnesia ausging. Außerhalb des Tores zu beiden Seiten Ne-kropolen; ferner die von der Hauptstraße Selçuk-Aydin zum Haus der Maria führende Straße.

Unmittelbar nördlich des Magnesischen To-res die stattliche Ruine des aus dem 1. - 2. Jahrhunder n.Chr. stammenden Ost--Gymnasion, das ähnlich wie die drei übrigen Gymnasien von Ephesus ein großes rechteckiges Gebäude mit mehreren prunkvoll ein-gerichteten Hallen und einer vorgelagerten Palästra umfaße und, da zahlreiche Mäd-chenstatuen ausgegraben wurden, auch MädchenGymnasion genannt wird. Bemerkenswert ist der 25 x 30m messende Warmbaderaum (Caldarium). An der West-und Oststeite der südlich vorgelagerten Palästra lagen je ein großer Saal. Wie aus den Resten einer ansteigenden Sitzreihe im östlichen Saal hervorgeht, diente dieser wohl als Vortragsraum.
Vom Ost-Gymnasion führt ein guter Weg nordöstlich auf den bis 155 m ansteigenden Panayir Dagi (Pion; 155 m), der einen schö-nen Überblick über das sich halbkreisförmig um den Hügel ziehende Ruinenfeld bietet. Entlang dem Hügelscheitel verläuft eine teil-weise gut erhaltene byzantinische Mauer zum Koressos-Tor im Norden. - Am Nordostfuß des Hügels liegt das Gebiet der sog. Höhle der sieben Schläfer, die wegen einer Sage Berühmtheit erlangt hat. Während ei-ner Christenverfolgung sollen in der Mitte des 2. Jahrhunderts sieben in eine Höhle eingemauerte Jünglinge in einen tiefen Schlaf versunken sein und erst unter Theo-dosius II. (414 - 450 n.Chr.) wieder das Tageslicht erblickt haben. Nach ihrem Tode soll sie der Kaiser in der Höhle beigesetzt und darüber eine Wallfahrtskirche gebaut haben. Mit dem Schwinden des Christentums in türkischer Zeit verfiel auch die sakrale Stätte. Der vom Hang herabgeschwemmte Schutt deckte die Ruinen schließlich völlig zu. Bei den 1926 bis 1928 durchgeführten Ausgrabungen wurden zahlreiche ineinander verschachtelte Säle freigelegt, die in Wandnischen und unter dem Boden Hunderte von Gräbern enthielten. In der Mitte des Grabungsbezirks fand man eine Kirche, die in ihrem Unterbau ein katakombenartiges Verlies mit zehn Grabkammern barg. Die Wände dieser Kammern waren mit eingeritzten bzw. aufgemalten An-rufungen der Jünglinge in griechischer, armenischer und lateinischer Sprache be-deckt. Die Verehrung der Stätte bezog sich wohl ursprünglich auf einen bereits in früh-byzantinischer Zeit existierenden Begräb-nisplatz, auf den die ursprünglich orientali-sche Jünglings-Legende bezogen wurde.

Südwestlich über der Ruinenstätte von Ephesus erhebt sich der langgestreckte Hö-henrücken des Bulbül Dagi, (Nachtigallenberg; 358 m), der antike Koressos, den man sowohl vom sogenannten Lukasgrab über den Ostabfall des Berges als auch auf einem vom ehemaligen Hafen zum westlichen Teil des Kammes führenden Weg erreichen kann. Über die Kammlinie zieht die turmbewehrte und teilweise noch zinnenbekrönte hellenistische Stadtmauer aus der Zeit des Lysima-chos, neben der ein Saumpfad hinführt. - Auf einem über den Hafenkanal aufragenden Hügel, dem Pagos Astyagu der hellenisti-schen Zeit, die Ruine eines zur hellenistischen Mauer gehörenden Wachtturmes, der aus ungeklärtem Anlaß als Gefängnis des hl. Paulus angesehen wird.

UMGEBUNG von Ephesos.
Südöstlich vom Bülbül Dai (Zufahrt von der Haupstraße Selçuk - Aydin 7 km) steht auf dem Ala Dagi (420 m), einer in der Antike Solmissos genannten Höhe, ein als Wohn-ung Sterbehaus der hl. Maria (Panaya Kapulu) be-zeichnetes Gebäude, das in seinen Grundmauern aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. stammt, in byzanti-nischer Zeit restauriert wurde und später verfiel. Die Vermutung, daß die Mutter Jesu in Ephesos gelebt habe, geht auf eine von Clemens Brentano veröffentliche Vision der stigmatisierten Nonne Katha-rina Emmerich aus Dülmen in Westfalen (1774 bis 1824) zurück, die das Aussehen und die Lage des Hauses genau beschrieb. 1891 entdeckten Lazari-sten aus Smyrna auf Grund dieser Angaben unweit südlich des Bülbül Dagi die Ruine einer kleinen Kir-che, die offensichtlich zu einem ehemaligen Kloster gehörte und nun als das Haus der Maria angesehen wird. Die seit der Auffindung der Kirche einsetzen den Wallfahrten nahmen nach dem Zweiten Welt-krieg einen größeren Umfang an (große Feier an Mariä Himmelfahrt, 15. Aug.), und seither entwickelte sich der hübsch gelegene und aussichtsreiche Ort auch zu einem allgemeinen Touristenziel. Die Zufahrt von der Hauptstraße Selçuk - Aydin führt nach 4,5 km unweitvom Ost-Gymnasion und außen am Magnesischen Tor vorüber, dann noch 3,5 km um den Osthang des Bülbül Dagi, herum zur Wallfahrtsstätte.