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Nördlich über der Johannes-Basilika, auf der Spitze des Hügels die noch wohlerhaltene Zitadelle,
über deren Baudatum keine schriftlichen Quellen existieren. Doch kann aus der Art des Mauerwerks geschlossen
werden, daß die Festung noch in byzantinischer Zeit errichtet und dann von den Seldschuken weiter ausgebaut
wurde. Die mächtige Umfassungsmauer hatte 15 meist recht-eckige Wehrtürme. Um Mauer und Türme läuft
ein geschlossener Zinnenkranz. Wahr-scheinlich bestand nur ein einziger Zugang. Im Innern befinden sich mehrere
Zisternen, eine kleine Moschee aus seldschukischer Zeit und eine byzantinische Kirche.
Am Südwesthang des Zitadellenhügels er-hebt sich die aus seldschukischer Zeit stammende Große Moschee
(auch Isa-Bey- oder Selim-Moschee). Das 57 x 51 m messende hohe Mauerrechteck umschließt einen großen
Arkadenhof mit dem Brunnen für rituelle Waschungen und dem eigentlichen Bet-raum. Dieser war in seinem zentralen
Teil durch zwei säulengestützte Kuppeln überwölbt, während die beiden Seitenflügel
fla-che Holzdächer trugen. Die großen schwarzen Granitsäulen stammen von den römi-schen Thermen
am Hafen. Die Verbindung zum Arkadenhof wird durch drei Säulenbögen und zwei Nebeneingänge hergestellt.
Uber der außen mit Marmor verkleideten westlichen Moscheemauer steigt ein rundes Minarett bis zur Höhe
des Umganges für den Muezzin auf. Das entsprechende Minarett an der östlichen Mauer ist dagegen völlig
zer-stört. Die hohen Rechteckfenster haben ver-schieden gearbeitete Zierrahmen. Ober dem mit Inkrustationen
reich geschmückten Portal ist eine kunstvoll gearbeitete Inschrift zu erkennen: ,,Im Namen Gottes, des Barmherzigen,
des Erbarmenden! Es befahl die Errichtung dieser gesegneten Moschee der glorreiche Sultan, der Machthaber über
die Nacken der Völker und der Gläubigen, der Glaubensheld Isa, Sohn des Mohammed, Sohn des Aydin, dessen
Herrschaft Gott lange dauern lassen möge. Erbaut von dem Baumeister Ah, dem Sohne des Muschimisch Ah Damischki,
und von ihm geschrieben am 9. des Monats Schaban zu Neumond des Jahres 776" (30. 1. 1375).
In der Umgebung der Großen Moschee standen in seldschukischer Zeit noch 14 kleine Moscheen. Diese in der
Regel quadratischen Kuppelbauten sind in mehr oder weniger gu-tem Zustand z.T. heute noch erhalten.
Etwa 300m südlich unterhalb der Großen Moschee, vom Hauptplatz in Selçuk halbrechts in Richtung
Ephesus (am Archäologischen Museum vorüber; rechts; u.a. drei Ar-temisstatuen), erreicht man die rechts
in ei-ner flachen sumpfigen Mulde gelegenen ge-ringen Reste des Artemiseion, des Tempels der Artemis, der einst
als eines der sieben Weltwunder galt.
BAUGESCHICHTE.
Die Durchforschung des von dem Engländer J.T. Wood und dem Britischen Museum ausgegrabenen Tempels zeigte,
daß an seiner Stelle ursprünglich eine steinerne Plattform bestand, unter der vermutlich die Weihgeschenke
aufbewahrt wurden, während auf der Plattform selbst das Kultbild stand. Etwas westlich davon war eine zweite
Plattform. In einer weiteren Bauphase wurden beide Plattformen miteinander verbunden und später mit einer
16x31 m großen Cella überbaut. Von einem Säulenumbau ist nichts bekannt. Im 6. Jahrhundert v.Chr.
entstand schließlich der große Marmortempei. Der 109 m lange und 55 m breite Dipteros hatte in seinen
beiden umlaufenden Säulenreihen 8x20 und 6x18 Säulen, weiterhin im Vorraum (Pronaos) 2x4 und in der rückwärtigen
Vorhahle (Opistodomos) 2x2 sowie in der dreischiffigen Cehla 2 x 9 + 1 Säulen. Von diesen trugen 36 Säulen
an der unteren Schafttrommel einen Reliefschmuck. Beim Wiederaufbau des von Herostra-tos <um seinen Namen zu
verewigen) im Jahre 356 v. Chr. angezündeten Tempels wurde zunächst das Fundament um 2,7 m erhöht.
Sonst hielt man sich genau an die Abmessungen und die Form das zerstörten Tempels. Die zweite Zerstörung
des riesigen Bauwerks begann mit einem Überfall der Goten auf Ephesus um 260 n.Chr. In byzantinischer Zeit
verfiel es völlig und wurde als Steinbruch be-nutzt. Säulen und Marmorplatten befinden sich u.a. in der
Sophienkirche in Istanbul. 1965 fand man das Fundament des Altars (30X40 m).
Vom Artemiseion führt die Straße westlich weiter. - Nach 1,5 km (2 km vom Hauptplatz in Sel9uk) biegt
man bei einer Tankstelle und einem Motel links ab (geradeaus nach Kus-adasi und Söke) und erreichtnach 200
m die bedeutende RUINENSTÄTTE der neuen Stadt EPHESOS, die von Lysimachos im 3. Jahrhundert v. Chr. hierher
verlegt wurde (Eintrittsgebühr 2001 = 7 Mio.TL 10,-DM). Gleich links am Hang das Vedius-Gymnasion (2.Jh. n.Chr.),
dessen Reste ein in zahlreiche Räume aufgelöstes großes rechteckiges Gebäude mit einem öst-lich
vorgelagerten Säulenarkadenhof (Palä-stra) erkennen lassen. Die relativ besser er-haltene östliche
Hälfte des Bauwerks, dessen Ziegelmauern mit Marmorplatten verkleidet waren, zeigt interessante Details der
Innen-ausstattung. 100 m südlich des Vedius-Gymnasions erkennt man das unter Kaiser Nero (54 - 68 n.Chr.)
erbaute Stadion, dessen südliche Zuschauerränge in den Hang hin-eingegraben waren. Die Steinstufen sind
nicht mehr vorhanden. In der großen Ostkurve lag eine gegen die Stadiongeraden abschließbare Arena,
die in Ermangelung eines Zirkusses bei Gladiatorenkämpfen und Tierkämpfen benützt wurde. Zwischen
dem Vedius-Gymnasion und dem Stadion verlief einst die Marmorstraße östlich zu dem heute nur noch in
Ruinenresten erhaltenen Koressos-Tor, von dem eine Straße südlich zum Berg Koressos (Bülbül
Dagi) führt. An der westlichen Biegung der Marmorstraße (50 m westl. vom Stadion) stand auf dem kleinen
Hügel der sogenannten Akropolis innerhalb eines quadratischen Säulenhofes ein Rund-bau unbekannter Zweckbestimmung.
Von der ganzen Anlage sind heute nur noch eine Eckbasis und einige Gesimssteine vorhanden. Die Überlieferung
sowie Scherbenfunde auf dem Hügel machen es wahrscheinlich, daß dieser bereits in altionischer Zeit
besiedelt war.
Vom Stadion führt die am Koressos-Tor beginnende und nach einem großen Bogen am Magnesischen Tor endende
Marmorstra-ße, eine z.T. mit Bildwerken geschmückte Säulenarkadenstraße, in deren Mitte man
noch die Abflußöffnungen für die Kanalisa-tion erkennt, südlich zum Großen Theater.
Wenn man vom Vedius-Gymnasium der durch das Ausgrabungsgelände angelegten Straße nach Süden folgt,
erblickt man nach knapp 200 m rechts die Ruine eines byzanti-nischen Bades (beachtenswert der große Konchensaal
an der Südseite und die 50 m lange Apsidenhalle an der Westseite). 100 m westlich abseits das 260 m lange
Rui-nenfeld der sogenannten Kirche der Maria oder Konzilskirche. Das als Doppelkirche gedeutete Bauwerk, in dem
431 das Konzil stattfand, war ursprünglich eine dreischiffige Halle des 2. Jahrhunderts n.Chr. (Museion, d.h.
Forschungsstätte), in die im 4. Jahrhun-dert eine Säulenbasilika eingebautwurde. An der westlichen Seite
lag ein langgestreckter Hof. Der östliche Teil der antiken Halle scheint als Bischofssitz gedient zu haben.
Im 7. Jahrhundert wurde die Basilika durch eine Kuppelkirche ersetzt, der nach ihrem Einsturz eine Pfeilerbasilika
vorgebaut wurde. Auf der neuen Straße gelangt man 300 m wei-ter südlich zu dem in der römischen
Kaiserzeit errichteten Theater-Gymnasien, das aus einem mächtigen rechteckigen Bau und ei-nem nördlich
vorgelagerten Säulenarkaden-hof (70 x 30 m) bestand. Südöstlich darüber, an der Marmorstraße,
das Große Theater.
Westlich schließt sich an das Theater-Gym-nasion das ziemlich unübersichtliche Rulinenfeld einer zusammengehörenden
Gebäudegruppe an. Zunächst der Verula-nus-Platz, ein 200 x 240 m großer, als Sportanlage dienender
Säulenarkadenhof, dem westlich das aus der frühen römischen Kaiserzeit stammende Hafen-Gymnasien
ange-gliedert war. Dieses bestand aus mehreren Gebäuden, die sich rings um einen großen zentralen Hof
gruppierten. An der Nord- und Südseite des Hofes lagen je ein Marmorsaal von 16x32 m, deren Innenwände
mit Säulenstellungen und Statuennischen prächtig ausgestattet waren. Westlich an das Hafen--Gymnasion
schlossen sich die Großen Thermen (Hafenthermen) an, von denen bis-her nur ein Raum ausgegraben ist. Die
Ther-men wurden im 2. Jahrhundert n. Chr. erbaut und unter Konstantin dem Großen im 4. Jahrhundert prunkvoll
erneuert. - An die Thermen grenzte im Westen der Hafen von Ephesus, dessen Stelle heute ein mit Schilf bedeckter
Sumpf einnimmt. - Unmittelbar südlich dieser einst den Stadtmittelpunkt bildenden Gebäudegruppe verlief
die um 400 n. Chr. von dem ersten oströmischen Kaiser Arkadios erbaute Arkadiane, eine vom Ha-fen in östlicher
Richtung führende vorneh-me, nachts beleuchtete Arkadenstraße, die zur Steigerung ihrer architektonischen
Wir-kung an ihren beiden Enden durch reichge-gliederte Prunktore abgeschlossen war. - Die Arkadiane mündete
im Osten auf einen lang-gestreckten Platz, der an der schmalen Nord-seite von dem Theater-Gymnasion, im Osten von
dem an der Panayir Dagi sich anlehnenden Großen Theater und im Süden von der großen Agora begrenzt
wird (Verkaufsstän-de).
Das unter Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.) begonnene und unter Trajan (98-117) vollendete Große Theater beeindruckt
vor allem durch seine großen Abmessungen und den im Vergleich zu den übrigen Bauten von Ephesus guten
Erhaltungszustand der Orchestra und des Bühnenhauses. Auf 3 x 22 Rängen, die durch 12 Treppenaufgänge
und im oberen Drittel durch weitere 11 Zwischentreppen unterteilt waren, fanden ca. 25 000 Zuschauer Platz. An
der Hangseite führten außerdem abgedeckte Treppenhäuser zu den oberen Rängen. Die Schauwand
des ehemals dreistöckigen, 18 m hohen Bühnenhauses (nur das Erdgeschoß erhalten) hatte mit Säulenstellungen,
Statu-ennischen und reich geschmückten Gesim-sen eine starke plastische Wirkung. In der westlichen Terrassenmauer
ein in der Form eines Antentempeis errichtetes hellenisti-sches Brunnenhaus, das trotz seines ruinö-sen Bauzustandes
durch die Schlichtheit und Klarheit seiner Anlage wirkt. im Großen Theater ereignete sich vielleicht der
durch die Hetzrede des um den Absatz der von ihm gefertigten kleinen silbernen Diana-Tempel fürchtenden Goldschmieds
Demetrius ver-anlaßte Auflauf der Epheser während des Aufenthaltes des Apostels Paulus (Apostel-gesch.
19, 23-40).
Südwestlich vom Großen Theater das große Mauergeviert der Agora, der sich nach We-sten eine Säulenhalllenstraße
anschließt. Der erst teilweise ausgegrabene Marktplatz wurde im 3. Jahrhundert n.Ch. aus einer an dieser
Stelle bereits bestehenden Anlage großzügig umgebaut, wobei durch die Ver-wendung von Werksteinen älterer
Bauten in der Ausführung des Details eine bemerkens-werte Vielgestaltigkeit erreicht wurde. Die den großen
quadratischen Platz (116 m Seitenlänge) umgebende zweischiffige Säulenarkadenhalle (für Geschäftsräume)
hatte an der Ostseite ein zurückgesetztes Obergeschoß. An der Südostecke der Agora sind die noch
bis 3 m aufragenden Mauern eines re-präsentativen Portals zu sehen. Das nach ei-ner Inschrift als Tor des
Macaeus und des Mithridates bezeichnete Bauwerk besaß nach einer Rekonstruktion von W. Wilberg drei tiefeTorbögen.
Die erwähnte Säulenhallenstraße (160 m lang) wurde an beiden Enden ebenfalls von repräsentativen
Torbau-ten abgeschlossen. Besonders eindrucksvoll muß das zur Agora führende Portal ausgese-hen haben.
Nach dem Rekonstruktionsver-such von H. Hörmann hatte es die Form einer breit gelagerten ionischen Säulenhalle.
Die zu beiden Seiten vorspringenden Hallenflügel rahmten eine 11 m breite Treppe ein, über die man zur
Agora weiterschritt. - An der Südseite der Säulenhallenstraße führte ein Treppenaufgang zu
einem großen kolonna-dengesäumten Platz, der an seinem Südende von dem kolossalen Serapeion überragt
wurde. Die Frontsäulen des nach Art eines Prostylos errichteten Tempels, der dem Kult des ägyptischen
Gottes Serapis diente, be-standen aus 15 m hohen Monolithen mit ko-rinthischen Kapitellen. Durch die 29 m lange
Front des Tempels führte ein gewaltiges Tor, dessen Türen auf Rädern liefen, in die Cella. In byzantinischer
Zeit wurde der Tempel zu einer Basilika umgestaltet.
Von der Agorä gelangt man durch das Mithridates-Tor auf einen kleinen Platz, an dessen Westseite sich die
Ruinen der Cel-sius-Bibliothek erheben. Die Rekonstruktion von W. Wilberg zeigte eine zweigeschossige Schaufassade
mit verkröpften Säulenstel-lungen und wirkungsvoll hervortretenden Gesimsen. Der ganz mit buntem Marmor
ge-täfelte große Bibliotheksraum war in drei Stockwerke unterteilt. Um die beiden unteren Stockwerke
führten Säulengänge. Eine durchgehende Apsis in der rückwärtigen Wand barg die Fächer
für die Pergamentbände und Schriftrollen. Unter der Apsis in einer Grabkammer der Sarkophag des Tibe-rius
Julius Celsus (Stadthalter der Provinz Asia), dem zu Ehren sein Sohn Tiberius Julius Aquila zu Anfang des 2. Jahrhunderts
n.Chr. das Gebäude errichtete (135 n.Chr. vollendet).
Südostlich der Agora verengt sich die Ebene zwischen dem Panayir Dagi und dem Bülbül Dagi zu einem
Muldental, durch das einst die von zahlreichen öffentlichen Gebäuden ge-säumte Fortsetzung der vom
Koressos-Tor kommenden Marmorstraße (Kureten -Straße) verlief. In späthellenistischer Zeit scheint
dieser Straßenzug zum Kernbereich der Lysimachischen Stadt herangewachsen zu sein. - Unmittelbar bei dem
Straßenknick südöstlich der Agora sind noch die Postamente des Propylalon, eines Torbaus aus dem
2. Jahrhundert n.Chr., zu sehen, durch den eine später als Treppenweg sich fortset-zende Straße südlich
zum Bülbül Dagi hinan-führte. - Östlich dieses Torbaus stand ein vermutlich zweigeschossiges
Nymphaion (Brunnenhaus), dessen Wände mit Halbsäu-len geschmückt waren. - An dieses Bauwerk schloß
sich östlich das Oktogon an, ein mo-numentaler Grabbau, dessen Bezeichnung von dem über einen quadratischen
Marmorsockel aufragenden achteckigen Überbau stammt, um den eine korinthische Säulenar-kade mit einer
Sitzbank lief. Ein stufenförmig sich verjüngendes Dach schloß das Bauwerk ab. - An der gegenüberliegenden
Straßenseite liegt das Grabungsfeld der im 2. Jahr-hundert n.Chr. entstandenen und um 400 von einer Christin
namens Scholastika erneuer-ten Scholastika-Thermen, eines ehemals mehrgeschossigen Badehauses. - Unmittelbar darüber
erhebt sich am Südwesthang des Panayir Dagi auf quadratischem Sockel ein zweigeschossiger Rundbau, der in
einem Untergeschoß von dorischen Halbsäulen und im oberen Stock von freistehenden ioni-schen Säulen
umrahmt war. Vermutlich handelt es sich hier wie beim Oktogon um ein Heroengrab. Innerhalb der Scholastika-Thermen
der von den österreichischen Ar-chäologen weitgehend rekonstruierte hüb-sche kleine Hadriantempel,
der nach einer Inschrift dem Kaiser Hadrian (117 - 138 n.Chr.) geweiht war. Südostlich der Scholastika- Thermen
ein Bereich, der heute als Standort des lange gesuchten Prytaneion (Rathaus) gedeutet wird (die hier gefundenen
Artemis-statuen jetzt im Museum).-Südöstlich davon der Traiansbrunnen und anschließend das Halbrund
des im 2. Jahrhundert n.Chr. von P. Vedius Andonius gestifteten Odeion, dessen untere Marmorstufen noch gut erhalten
sind. Der insgesamt 1400 Besucher fassende Zu-schauerraum war durch einen Umgang in ei-nen unteren Block mit 13
Rängen und 6 Treppenaufgängen und einen oberen Block mit 10 Rängen und 7 Treppenwegen geglie-dert.
Aus dem Fehlen eines Wasserabflusses in der Orchestra kann auf die Existenz eines Daches geschlossen werden, das
vermutlich als Holzkonstru ktion den Zuschauerraum über eine Weite von 25 m überspannte.
Etwa 250 m westlich des Odeions liegen auf der gegenüberliegenden Hangseite die Rui-nen des stattlichen Domitiantempels,
den die Provinz Asia für den Kaiser (81 - 96 n.Chr.) errichtet hatte. In den Kellergewölben wurden Marmorstücke
einer überlebensgroßen Statue des Kaisers gefunden, die vermutlich nach der Erhebung des Christentums
zur Staatsreligion von ihrem Standort entfernt und dabei zerstört wurde. 150 m weiter westlich die Reste einer
einst monumentalen Fontäne und eines Wasserschlosses, das die vom Hang herabfließenden Quellwässer
sammelte. 150 m östlich davon der Sockel eines fälschlich als Grab des hl. Lukas be-zeichneten römischen
Rundbaus, der in by-zantinischer Zeit durch Anfügung einer Apsis und einer Vorhalle zu einer Kirche umgestal-tet
wurde.
Die Marmorstraße führt vom Odeion zu Thermen (links) und den Basisbauten eines repräsentativen
Brunnens (rechts), der mit zahlreichen Statuennischen geschmückt war, und endet nach weiteren 200 m bei dem
Magnesischen Tor, von dessen drei Durch-gängen die Straße nach Magnesia ausging. Außerhalb des
Tores zu beiden Seiten Ne-kropolen; ferner die von der Hauptstraße Selçuk-Aydin zum Haus der Maria
führende Straße.
Unmittelbar nördlich des Magnesischen To-res die stattliche Ruine des aus dem 1. - 2. Jahrhunder n.Chr. stammenden
Ost--Gymnasion, das ähnlich wie die drei übrigen Gymnasien von Ephesus ein großes rechteckiges
Gebäude mit mehreren prunkvoll ein-gerichteten Hallen und einer vorgelagerten Palästra umfaße und,
da zahlreiche Mäd-chenstatuen ausgegraben wurden, auch MädchenGymnasion genannt wird. Bemerkenswert ist
der 25 x 30m messende Warmbaderaum (Caldarium). An der West-und Oststeite der südlich vorgelagerten Palästra
lagen je ein großer Saal. Wie aus den Resten einer ansteigenden Sitzreihe im östlichen Saal hervorgeht,
diente dieser wohl als Vortragsraum.
Vom Ost-Gymnasion führt ein guter Weg nordöstlich auf den bis 155 m ansteigenden Panayir Dagi (Pion;
155 m), der einen schö-nen Überblick über das sich halbkreisförmig um den Hügel ziehende
Ruinenfeld bietet. Entlang dem Hügelscheitel verläuft eine teil-weise gut erhaltene byzantinische Mauer
zum Koressos-Tor im Norden. - Am Nordostfuß des Hügels liegt das Gebiet der sog. Höhle der sieben
Schläfer, die wegen einer Sage Berühmtheit erlangt hat. Während ei-ner Christenverfolgung sollen
in der Mitte des 2. Jahrhunderts sieben in eine Höhle eingemauerte Jünglinge in einen tiefen Schlaf versunken
sein und erst unter Theo-dosius II. (414 - 450 n.Chr.) wieder das Tageslicht erblickt haben. Nach ihrem Tode soll
sie der Kaiser in der Höhle beigesetzt und darüber eine Wallfahrtskirche gebaut haben. Mit dem Schwinden
des Christentums in türkischer Zeit verfiel auch die sakrale Stätte. Der vom Hang herabgeschwemmte Schutt
deckte die Ruinen schließlich völlig zu. Bei den 1926 bis 1928 durchgeführten Ausgrabungen wurden
zahlreiche ineinander verschachtelte Säle freigelegt, die in Wandnischen und unter dem Boden Hunderte von
Gräbern enthielten. In der Mitte des Grabungsbezirks fand man eine Kirche, die in ihrem Unterbau ein katakombenartiges
Verlies mit zehn Grabkammern barg. Die Wände dieser Kammern waren mit eingeritzten bzw. aufgemalten An-rufungen
der Jünglinge in griechischer, armenischer und lateinischer Sprache be-deckt. Die Verehrung der Stätte
bezog sich wohl ursprünglich auf einen bereits in früh-byzantinischer Zeit existierenden Begräb-nisplatz,
auf den die ursprünglich orientali-sche Jünglings-Legende bezogen wurde.
Südwestlich über der Ruinenstätte von Ephesus erhebt sich der langgestreckte Hö-henrücken
des Bulbül Dagi, (Nachtigallenberg; 358 m), der antike Koressos, den man sowohl vom sogenannten Lukasgrab
über den Ostabfall des Berges als auch auf einem vom ehemaligen Hafen zum westlichen Teil des Kammes führenden
Weg erreichen kann. Über die Kammlinie zieht die turmbewehrte und teilweise noch zinnenbekrönte hellenistische
Stadtmauer aus der Zeit des Lysima-chos, neben der ein Saumpfad hinführt. - Auf einem über den Hafenkanal
aufragenden Hügel, dem Pagos Astyagu der hellenisti-schen Zeit, die Ruine eines zur hellenistischen Mauer
gehörenden Wachtturmes, der aus ungeklärtem Anlaß als Gefängnis des hl. Paulus angesehen wird.
UMGEBUNG von Ephesos.
Südöstlich vom Bülbül Dai (Zufahrt von der Haupstraße Selçuk - Aydin 7 km) steht
auf dem Ala Dagi (420 m), einer in der Antike Solmissos genannten Höhe, ein als Wohn-ung Sterbehaus der hl.
Maria (Panaya Kapulu) be-zeichnetes Gebäude, das in seinen Grundmauern aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. stammt,
in byzanti-nischer Zeit restauriert wurde und später verfiel. Die Vermutung, daß die Mutter Jesu in
Ephesos gelebt habe, geht auf eine von Clemens Brentano veröffentliche Vision der stigmatisierten Nonne Katha-rina
Emmerich aus Dülmen in Westfalen (1774 bis 1824) zurück, die das Aussehen und die Lage des Hauses genau
beschrieb. 1891 entdeckten Lazari-sten aus Smyrna auf Grund dieser Angaben unweit südlich des Bülbül
Dagi die Ruine einer kleinen Kir-che, die offensichtlich zu einem ehemaligen Kloster gehörte und nun als das
Haus der Maria angesehen wird. Die seit der Auffindung der Kirche einsetzen den Wallfahrten nahmen nach dem Zweiten
Welt-krieg einen größeren Umfang an (große Feier an Mariä Himmelfahrt, 15. Aug.), und seither
entwickelte sich der hübsch gelegene und aussichtsreiche Ort auch zu einem allgemeinen Touristenziel. Die
Zufahrt von der Hauptstraße Selçuk - Aydin führt nach 4,5 km unweitvom Ost-Gymnasion und außen
am Magnesischen Tor vorüber, dann noch 3,5 km um den Osthang des Bülbül Dagi, herum zur Wallfahrtsstätte. |
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